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Mitarbeitermotivation

Wie Führung in der Coronakrise gelingt

Händler, die für die Versorgung der Bevölkerung unverzichtbar sind, dürfen und sollen auch in Zeiten des Coronavirus ihre Läden öffnen – sogar sonntags. Eine große Belastung: Zur Mehrarbeit kommt die Angst, sich selbst bei Kunden anzustecken. Acht Tipps für Führungskräfte.

Von Jens Gräber 18.03.2020

© Frank Molter / DPA Picture Alliance

Die größere Nachfrage nach Lebensmitteln sorgt für leere Regale und zusätzlichen Stress im Handel.

Die Bundesregierung hat entschieden: Läden, die keine Güter des täglichen Bedarfs anbieten, müssen während der Coronakrise bis auf weiteres schließen. So wollen die Verantwortlichen die Ausbreitung des Virus verlangsamen, um eine Überlastung der Krankenhäuser zu vermieden.

Doch Lebensmittelhändler und ihre Mitarbeiter sind auch in der Krise unverzichtbar und stehen unter hohem Druck. Wirtschaftspsychologe Professor Florian Becker und Führungskräftecoach Christian Thiele geben Ratschläge, wie Chefs ihre Teams und sich selbst motiviert halten.

► Improvisieren: „Führende müssen akzeptieren, dass sie derzeit nur von Tag zu Tag planen können. Sie müssen auf Sicht fahren und schauen, was funktioniert und was nicht“, betont Christian Thiele.

► Kommunizieren: Informationsaustausch ist in Krisenzeiten sehr wichtig, so der Coach. Chefs sollten zwar keine Schreckensszenarien ausmalen, aber auch unbedingt vermeiden, Dinge zu beschönigen. „Sie dürfen keinesfalls etwas sagen, was nicht stimmt.“

► Vorbild sein: Das Prinzip der Führung von vorn ist ein Grundsatz aus dem militärischen Bereich. „Man muss selbst Vorbild sein und vorangehen, wenn man in einer Krise erfolgreich führen will“, erklärt Wirtschaftspsychologe Becker. Heißt in der aktuellen Lage: Da Chefs es von ihren Mitarbeitern verlangen, sollten sie auch selbst mit Kunden in Kontakt treten, selbst wenn es unangenehm ist. „Sich im Büro zu verschanzen und seine Leute an die Front zu schicken, das funktioniert nicht“, stellt der Wirtschaftspsychologe klar.

► Prioritäten setzen: Chefs müssen sich jetzt fragen, was in den kommenden Wochen wirklich wichtig sei, rät Coach Thiele. „In der Krise müssen bisherige Abläufe infrage gestellt werden.“ Einschnitte, etwa bei der Effizienz, sind hinnehmbar, wenn dafür der Betrieb aufrechterhalten werden kann. Thiele: „Die Mitarbeiter dürfen nicht überlastet werden – sie können nicht nur durch das Coronavirus krank werden, sondern auch durch Stress.“

► Kontrolle geben: Menschen, die sich einer unsichtbaren, schwer fassbaren Bedrohung wie dem Coronavirus gegenüber sehen, leiden unter dem Gefühl des Kontrollverlustes. Führungskräfte im Handel sollten daher versuchen, ihren Mitarbeitern ein Stück Kontrolle zurückzugeben. „Sie können zum Beispiel Handschuhe ausgeben oder Desinfektionsmittel bereitstellen“, empfiehlt Professor Becker. So können sie Mitarbeitern das Gefühl geben, selbst etwas zu ihrem Schutz tun zu können.

► Positiv bleiben: Weil Menschen stark von den Emotionen anderer beeinflusst werden, sollten Chefs diejenigen im Team stärken, die ruhig und besonnen bleiben – und auch selbst Ruhe und Optimismus ausstrahlen. „Das Gefühl, einer Situation gewachsen zu sein, wirkt ansteckend“, erklärt der Wirtschaftspsychologe. Führungskräfte können zudem die aktuell schwierige Situation nutzen, um Handelsmitarbeitern die Bedeutsamkeit ihrer Arbeit zu vermitteln – schließlich ist in der Krise die Versorgung der Menschen mit Lebensmitteln systemrelevant. Der einfache Mitarbeiter kann sich idealerweise in dieser Situation als Held wahrnehmen. 

► Anständig bleiben: Mitarbeiter machen sich nicht allein Sorgen um sich selbst, sondern auch um ihre Angehörigen – um die sie sich unter Umständen auch kümmern müssen. Das sollten Führungskräfte bedenken und entsprechend handeln. Coach Thiele ist sicher: „Wie sie in der Krise mit Mitarbeitern umgehen, hat einen großen Einfluss darauf, wie diese sie und ihr Unternehmen danach sehen werden.“

► Auf sich selbst achten: „Je schwieriger die Zeiten sind, desto wichtiger ist es, als Chef auch selbst fit zu bleiben“, erklärt Thiele. Dazu ist Bewegung wichtig, eine geregelte Mittagspause sowie die nötige Gelassenheit, abends auch mal abzuschalten.

Prof Dr. Florian Becker ist Diplom-Psychologe und Buchautor. Der Spezialist für Führung und Wirtschaftspsychologie hat dazu MBA-Programme und Studiengänge geleitet und zahlreiche Bücher veröffentlicht. Er gehört zum Vorstand der Wirtschaftspsychologischen Gesellschaft.

Christian Thiele ist Experte für Positive Leadership und arbeitet als Coach, Trainer und Teamentwickler. Sein Podcast „Positiv Führen“ ist unter www.positiv-fuehren.com abrufbar, das gleichnamige Buch erscheint im Laufe des Jahres.

Schlagworte: Führungskräfte, LEH

Kommentare

  • Jens Gräber

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    23.03.2020, 13:00 Uhr
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