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Coronakrise

Lebensmittelhandel wird digitaler

In Deutschland zeigt sich ein langfristiger Trend zu mehr Lebensmitteleinkauf im Internet, so eine neue Studie. Ein Drittel der Befragten (33 Prozent) gibt an, während der Krise mehr Lebensmittel online zu kaufen. 67 Prozent wollen das auch nach der Krise tun.

09.06.2020

© iStock/MachineHeadz

Für Lebensmittelhändler ergibt sich durch den Trend, klassische Supermarkteinkäufe online zu erledigen, eine Reihe neuer Herausforderungen.

Insgesamt sind seit Beginn der Krise die Ausgaben für Lebensmittel gestiegen. Mehr als 40 Prozent der Teilnehmer geben an, mehr Geld für Lebensmittel auszugeben. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie von Blue Yonder. Der Anbieter von Cloud-basierten Unternehmenslösungen und KI-Technologie hat untersucht, wie sich das Kaufverhalten infolge der Corona-Pandemie wandelt und dafür im März und April 2020 europaweit gut 6.000 Online-Interviews (2.000 in Großbritannien und jeweils 1.000 in Frankreich, Deutschland, Schweden und Italien) von dem Marktforschungsinstitut Opinium führen lassen.

„Der Online-Lebensmittelhandel ist zunächst kein neues Phänomen, doch in anderen Ländern wesentlich weiter verbreitet als in Deutschland“, sagt Professor Michael Feindt, Chief Scientist bei Blue Yonder. „Wir sehen Corona-bedingt jedoch auch hierzulande einen Trend hin zum Lebensmittelkauf im Internet." Für die Supply Chains der Händler bedeute das eine Umstellung. Sie müssen in der Lage sein, Bestellungen schnell auszuliefern. Außerdem muss die Ware frisch sein und die Kunden bereit sein, andere Preise als im Ladengeschäft zu akzeptieren. „Wenn der deutsche Lebensmitteleinzelhandel im Online-Geschäft mit etablierten amerikanischen Anbietern mithalten will, wird das nur mit exakten Prognosen und sehr gut abgestimmten Preisen funktionieren. Dafür sind KI und Machine Learning essenziell“, so Feindt.

Dynamic Pricing im preissensiblen Umfeld

Trotz des Schwenks hin zu einem anderen Kanal für den Einkauf, bleiben sich die Deutschen laut Studie in ihren Gepflogenheiten treu: Für 61 Prozent ist während der Krise der Preis weiterhin das wichtigste Kaufkriterium. Bei der Warenverfügbarkeit sieht es nicht anders aus. Diese geben 60 Prozent als entscheidendes Kaufkriterium an. Interessant: Vor der Krise waren es noch 69 Prozent, die den Preis als hauptausschlaggebend angaben. „Deutsche Verbraucher gelten gemeinhin als sehr preisbewusst. Betrachtet man dies im Lichte der aktuellen Wirtschaftskrise, ist es umso bemerkenswerter, dass der Preis nun eine geringere Rolle spielt“, so Feindt.

Für Lebensmittelhändler ergeben sich durch den Trend, klassische Supermarkteinkäufe online zu erledigen, neue Herausforderungen. Sie müssen nicht nur Zustelldienste etablieren, sondern auch prognostizieren, wie viel Ware sie online verkaufen können, die vorher klassisch im Supermarkt gekauft wurde. Sie müssen zudem sehr genau abschätzen können, wie viel Geld Verbraucher online für Lebensmittel ausgeben wollen.

Die Käufergruppe, die Lebensmittel online einkauft, ist in der Regel bereits sehr online-affin. Sie sind dynamische Preise gewohnt und werden sie auch bei Lebensmitteln akzeptieren. Dynamic Pricing ist auch ein wichtiges Werkzeug, um zu verhindern, dass Frischware weggeworfen wird, bevor sie verkauft werden kann. Dies unterstreiche die Bedeutung von KI für den wirtschaftlichen Erfolg im Lebensmittelhandel – online wie offline.

Schlagworte: LEH, E-Commerce, E-Food, Lebensmitteleinzelhandel, Studie

Kommentare

  • Wolfgang Trantow

    Mehr kaufen? Haben wir nur noch Reiche und Politiker? Ich kann nur 1 Brötchen zum Frühstück essen. Warum also mehr kaufen? Mehr liefern lassen? Ich denke, wir wollen aus Klimaschutzgründen alles nur noch zu Fuß machen!Urlaub nur noch zuhaus und nicht mehr fliegen.
    Antworten
    10.06.2020, 19:35 Uhr
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