Lockdown

HDE erwartet Klagen von Händlern wegen Coronahilfen

Der Handelsverband Deutschland (HDE) rechnet mit Klagen von Einzelhandelsunternehmen gegen die Art der staatlichen Corona-Entschädigung. HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth begründet dies mit einer Ungleichbehandlung gegenüber der Gastronomie.

15.12.2020

© Michael Weber / Imago Images

Ab Mittwoch müssen die meisten Non-Food-Läden schließen.

"Große Handelsunternehmen kriegen überhaupt keinen Betriebskostenzuschuss, während das bei der Gastronomie und Hotellerie völlig anders ist", sagt Genth im ZDF-Morgenmagazin. "Was nicht geht, ist einfach eine Ungleichbehandlung." Als Maßnahme gegen die Ausbreitung des Coronavirus müssen von diesem Mittwoch an große Teile des Einzelhandels bis zum 10. Januar geschlossen blieben. Supermärkte und andere Geschäfte mit Waren des täglichen Bedarf dürfen weiterhin öffnen.

Der HDE hat entsprechend bereits seine Prognosen für das Gesamtjahr 2020 und das Weihnachtsgeschäft angepasst: Der vom Lockdown betroffene Handel verliere im Vergleich zum Vorjahr rund 20 Prozent seines Jahresumsatzes, der Onlinehandel wachse um mehr als 20 Prozent. Genth warnt, das Eigenkapital von Unternehmen sei häufig aufgebraucht. Es sei zu befürchten, dass bis zu 50.000 Geschäfte und 250.000 Jobs vor allem in den Innenstädten verloren gehen könnten.

HDE-Chef: Hilfsverfahren "zu technokratisch"

Der Bund will Unternehmen, die vom bevorstehenden Shutdown betroffen sind, mit mehr als elf Milliarden Euro pro Monat unterstützen. Die Hilfen seien der richtige Schritt, betont Genth. Das Verfahren sei aber "viel zu technokratisch". Demnach könnten Auszahlungen erst im März fließen. Zudem schafften Sonderabschreibungsmöglichkeiten für Warenlager keine Liquidität, da einige Einzelhändler keine Gewinne erwirtschaftet hätten und somit gar keine Steuern zahlen könnten. "Sie kriegen ja vom Staat dann nichts zurück", moniert der HDE-Hauptgeschäftsführer. Mit Internetshops könnten Unternehmen die Umsätze des stationären Einzelhandels nicht ersetzen, fügt er hinzu.

Konkret soll bei der Überbrückungshilfe III, die von Januar an gilt, der Höchstbetrag von 200.000 Euro auf 500.000 Euro erhöht werden. Erstattet werden betriebliche Fixkosten. Die Gastronomie bekommt dagegen bis zu 75 Prozent ihrer Umsätze ausgeglichen.

Schlagworte: Coronakrise, Coronavirus, Lockdown, HDE

Kommentare

  • Oliver Kuscak

    Es ist eine Frechheit wie entschädigt wird. Wer z.b sich im ersten Lockdown kurzfristig arbeitslos melden musste oder gearbeitet hat um seinen Lebensunterhalt zu begleichen, der bekommt nichts von den tollen Hilfen. Warum? Er war ja dann nicht die ganze Zeit als Hauptgewerbe tätig. Wer allerdings Grundsicherung bekommen hat, kann die Hilfen ausschöpfen, sofern er die weiteren Bedingungen erfüllt. Jemand der arbeiten war oder ALG1 bezogen hat: Fällt bis zur heutigen Überbrückungshilfe 2 komplett raus.
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    15.12.2020, 20:34 Uhr
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