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Lebensmittelverluste

Keine Wegwerfmentalität im Handel

Der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) versorgt die Menschen mit Nahrungsmitteln. Trotz aller Anstrengungen lässt sich Bruch und Verderb allerdings nicht komplett vermeiden. Warum der LEH trotzdem kein Verschwender ist.

28.09.2021

© stock.adobe.com / Kari Design

Alles Banane beim LEH? Nein, denn zu Nahrungsmittelverschwendern zählt diese Branche bestimmt nicht.

Die Sache ist schon klar: Kann der LEH Waren nicht verkaufen, bevor sie verderben, schmälert das seinen Gewinn; Lebensmittel zu entsorgen und abschreiben zu müssen, widerspricht grundsätzlich seinem Geschäftsmodel. Trotz aller Anstrengungen lässt sich Bruch und Verderb von Lebensmitteln aber leider nicht komplett vermeiden. Im Jahr 2020 entsprachen diese Lebensmittelverluste rund 1,5 Prozent des reinen Lebensmittelumsatzes. Im Vergleich zum Vorjahr mit 1,76 Prozent abgeschriebenen Lebensmitteln waren das fast 15 Prozent weniger.

Das legt nahe, dass planerische Instrumente und Methoden oder auch der Trend zu mehr Nachhaltigkeit neben einer positiveren Wirtschaftsbilanz auch einen wertschätzenden Umgang mit Lebensmitteln bewirken. Unterstützend wirken aber sicher auch coronabedingte Umsatzzuwächse bei Lebensmitteln im LEH.

Sechs Kilo pro Kopf

„Von einer Wegwerfmentalität ist der Lebensmittelhandel weit entfernt. Auch wenn die genauen Zahlen für 2020 für den gesamten Handel mit Lebensmitteln noch nicht vorliegen, können wir davon ausgehen, dass in den privaten Haushalten rund 15-mal mehr Nahrungsmittel entsorgt werden als im Lebensmitteleinzelhandel“, erklärt Frank Horst, EHI-Experte für Inventurverluste im Handel die Ergebnisse seiner Analyse. Die Lebensmittelabfälle des gesamten LEH entsprachen im Jahr 2019 bei rund 188 Milliarden Euro Umsatz rund 500.000 Tonnen oder etwa sechs Kilogramm pro Kopf in Deutschland. In den privaten Haushalten entsorgte jede Person hingegen mehr als 70 Kilogramm an Lebensmitteln.

Dabei sind die Verluste in den Frischesortimenten deutlich höher als in Trockensortimenten. An Brot und Backwaren musste der LEH beispielsweise im letzten Jahr durchschnittlich 5,53 Prozent abschreiben – 2019 waren es noch 6,21 Prozent. Bei Fleisch, Fisch und Geflügel waren es 2,53 Prozent (2019: 2,81 Prozent) und bei Obst und Gemüse 3,62 Prozent (2019: 4,27 Prozent). Einzig die Bereiche Molkerei- und Convenience-Produkte mit 1,22 Prozent (2019: 1,61 Prozent) und die übrigen Lebensmittel (Trockensortiment) mit 0,26 Prozent (2019: 0,30 Prozent) lagen unter dem Gesamtdurchschnitt von 1,50 Prozent (2019: 1,76 Prozent). Die Waren des Trockensortiments wie Getränke, Konserven, Tiefkühlkost, Nährmittel oder Süßwaren sind so gut wie immer deutlich weniger empfindlich und länger haltbar. Milchprodukte werden häufig einige Zeit vor Erreichen des Mindesthaltbarkeitsdatum deutlich preisreduziert verkauft. Die Verlustangaben über alle Warengruppen bei den analysierten Lebensmittelhändlern von 1,50 Prozent entsprechen rund 230.000 Tonnen oder einem Gegenwert von knapp 1,45 Milliarden Euro.

Lebensmittel für Tafeln & Co.

In diese Lebensmittelverluste eingerechnet sind solche Nahrungsmittel, die zwar noch zum Verzehr geeignet sind, aber aufgrund von Schönheitsfehlern oder einem nahenden beziehungsweise eingetretenen Mindesthaltbarkeitsdatum nicht mehr verkauft werden können. Rund 30 bis 35 Prozent spendet der LEH an soziale Einrichtungen wie die Tafeln. Somit werden diese Produkte – obwohl sie nicht verkauft werden können – für Menschen zum Verzehr genutzt. Erst danach folgen Maßnahmen wie Verarbeitung zu Tiernahrung, Nutzung in Biogasanlagen oder Entsorgung als Abfall.  

Datenbasis: Dieser Analyse liegen Daten von 9 Unternehmen des deutschen Lebensmitteleinzelhandels zugrunde, die rund 15.529 Filialen mit circa 19.650.000 Quadratmetern Verkaufsfläche betreiben und im Jahr 2020 einen reinen Lebensmittelumsatz von 97,1 Milliarden Euro Umsatz erzielten.

Schlagworte: Handel, Studie, Lebensmitteleinzelhandel, EHI Retail

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