Consumer Electronics

„Das Umsatzwachstum ist enorm"

Technikfachhändler steigerten im Verlauf der Pandemie ihren Online-Umsatz deutlich. Steffen Kahnt über die Bedeutung coronabedingter Sonder­effekte, die Relevanz hybrider Geschäftsmodelle und die Folgen von Lieferengpässen.

Von Jens Gräber 04.01.2022

© Robert Daly KOTO/stock.adobe.com

Die Leute gehen weniger aus und reisen weniger, stattdessen verbringen sie mehr Zeit zu Hause. Um es sich dort möglichst angenehm zu gestalten, investieren sie vor allem in technische Geräte wie TV-Geräte, Tablet-Computer, kabellose Lautsprecher und Geschirrspüler.

Der Markt für technische Gebrauchs­güter wächst Ihrer Prognose zufolge in diesem Jahr um zwei Prozent. Besonders gefragt sind etwa große und hochwertige Fernsehgeräte, aber auch Haushaltsgroßgeräte und IT-­Produkte – Sortimente, die bereits im vergangenen Jahr unter den Beding­ungen der Pandemie einen Boom erlebten. Setzt sich diese Sonder­konjunktur nahtlos fort?
Tatsächlich wirken coronabedingte Sonder-​effekte weiter: Die Leute gehen weniger aus und reisen weniger, stattdessen verbringen sie ihre Arbeits- und Freizeit vermehrt zu Hause. Um es sich dort möglichst angenehm zu gestalten, investieren sie außer in TV-Geräte vor allem in Tablet-Computer, kabellose Lautsprecher und Geschirrspüler. Im Weihnachtsgeschäft beobachteten wir im vergangenen Jahr trotz des Lockdowns zweistellige Zuwächse in den genannten Sortimenten – wir landeten dadurch auf einem hohen Umsatzniveau. Angesichts dessen ist das nun für dieses Jahr prognostizierte zusätzliche Umsatzwachstum enorm.

Für stationäre Elektronikhändler hatte die Pandemie auch negative Effekte. Wie haben sie den Lockdown in der ersten Jahreshälfte verkraftet?
Sicherlich bedeuteten die monatelangen Geschäftsschließungen eine Herausforderung. Die stationären Fachhändler wuchsen allerdings daran, indem sie ihren Onlineverkauf optimierten: Ihr Anteil am Online-Umsatz fällt in diesem Jahr mit 17 Prozent noch größer aus als 2020. Die Unterscheidung zwischen stationär und online wird zunehmend obsolet, viele Händler verfolgen hybride Geschäftsmodelle. So können sie weiterhin mit ihrer Beratungskompetenz beim Kunden punkten – und zugleich online mitspielen.

Welche Bedeutung kommt unter diesen Rahmenbedingungen noch dem Jahresendspurt, also den großen Rabattaktionen wie Black Friday und Cyber Monday im November sowie dem klassischen Weihnachtsgeschäft, zu?
Der Stellenwert des Black Friday und der Black Week steigt: Immer mehr Händler nehmen diese Marketingaktionen ernst und wissen sie so zu nutzen, dass sie nicht nur Umsatz, sondern auch Rendite bringen. Das Weihnachtsgeschäft wird dadurch stärker in den November verlagert – wir gehen insgesamt von einem ähnlich erfolgreichen Verlauf wie im vergangenen Jahr aus.

Welche Auswirkungen zeigen pandemiebedingte Lieferengpässe?
Die Fachhändler wussten im Voraus um die schwierigere Liefersituation und haben sich viel stärker als in den Vorjahren mit Ware eingedeckt, um ihre Umsätze im November und Dezember nicht zu gefährden – es wird also niemand nur Socken verschenken müssen. Allerdings erhalten Konsumenten im diesjährigen Weihnachtsgeschäft womöglich nicht immer exakt das Wunschprodukt, sondern kurzfristig lediglich eine Variante mit abweichender Ausstattung. Sicherlich wird der Technikhandel bis weit in das kommende Jahr hinein mit Lieferverzögerungen zu kämpfen haben.

Was kann die Branche tun, um solche Schwierigkeiten künftig zu vermeiden?
Es existiert kein Patentrezept, denn die Ursachen sind komplex und entziehen sich dem direkten Einfluss des Handels. Das gilt etwa für den Mangel an den für viele Elektronikprodukte benötigten Halbleitern, der auf die erhöhte Nachfrage nach IT-Produkten während der Pandemie zurückgeht. Der Markt wird dieses Problem sicher regeln – aber es dauert eine Weile, bis das Angebot sich der sprunghaft gestiegenen Nachfrage anpasst. Die zeitweise coronabedingte Schließung wichtiger Überseehäfen hat die Lage verschärft.

In verschiedenen Branchen gibt es Bestrebungen, Lieferketten zu verkürzen, um so ihre Krisenresistenz zu steigern …
Sicherlich wäre der Aufbau von Kapazitäten zur Halbleiter-Erzeugung innerhalb Europas wünschenswert, um die Abhängigkeit von Produktionsstätten in Fernost zu reduzieren. Die Entscheidung darüber liegt jedoch bei den Herstellern.

Die Consumer-Electronics-Messe IFA setzt üblicherweise Trends und Impulse für den Gesamtmarkt – in diesem Jahr fiel sie aufgrund der Coronapandemie aus. Was bedeutet das für die Branche?
Die Messe bildet in der Tat eine wichtige Schnittstelle zur interessierten Öffentlichkeit, die sich bei dieser Gelegenheit über neue Produkte informieren kann – diese Möglichkeit fehlte. Von der Messe geht in anderen Jahren eine Boosterwirkung auf den Branchenumsatz aus, die wir uns für die Zukunft unbedingt wieder wünschen.

Welche zugkräftigen Innovationen machen Sie derzeit aus?
Faltbare Smartphones sind ein junger Trend, sie bieten eine Abwechslung von der ansonsten stets gleichen Form dieser Geräte. Auch Kaffeevollautomaten, die sogenannte Cold-Brew-Spezialitäten, also kalt aufgebrühte Getränke, zubereiten, haben das Potenzial, den Markt zu beleben. 

Schlagworte: Bundes­verband Technik des Einzelhandels (BVT), Technikhandel, Online-Handel, Coronavirus

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