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Testfahrt

Charmanter Riese

Der neue Sorento aus dem Hause des südkoreanischen Autobauers Kia überrascht nicht allein durch seine schiere Größe und einen gegenüber dem Vorgänger kantig-dynamischeren Auftritt, sondern auch mit einem Extra, das bislang kein anderer Konkurrent bietet.

Von Frank Heide 19.03.2021

© Kia

Kia Sorento 1.6 T-GDI Hybrid AWD AT

Der Markt der Wettbewerber ist prominent besetzt. Doch trat Kia noch mit der dritten Generation des Sorento gegen Skoda Kodiaq, Seat Tarraco, Ford Kuga, VW Tiguan Allspace oder Hyundai Santa Fe und Toyota Highlander ausschließlich mit einem Diesel an, so ist die Motorenauswahl nun gewachsen: Neben der getesteten Vollhybrid-Kombination aus 1,6-Liter-Benziner und E-Motor mit 169 kW (230 PS) Systemleistung zählt zudem ein 2,2-Liter-Diesel mit 148 kW (202 PS) zum Programm. Ein Plug-in-Hybrid soll noch in diesem Jahr folgen.

Schon mit der Einstiegsmotorisierung ist der 4,81 Meter lange und 1,70 Meter hohe Fünftürer stets souverän im Alltag und auf kleinen Offroad-Ausflügen unterwegs. Der Testwagen Kia Sorento 1.6 T-GDI Hybrid AWD AT mit Allradantrieb und Automatikgetriebe braucht aus dem Stand 9,0 Sekunden bis Tempo 100, auf der Autobahn schafft er maximal 193 km/h. Dass sich der Wagen beim Sprint durchaus flotter anfühlt, liegt am Elektroboost, der beim Durchtreten des Gaspedals einsetzt und zusammen mit dem Turbo-Vierzylinder für beachtliche 350 Newtonmeter Drehmoment sorgt.

Unabhängig vom Tempo macht sich vor allem der etwas gewachsene Radstand bemerkbar, der mit für die ebenso unauffälligen wie soliden Fahreigenschaften des 1 881 Kilo schweren Wagens verantwortlich ist. Gemeinsam mit einem sehr flachen Kardantunnel sorgt diese Fahrzeuggeometrie vor allem in der zweiten Reihe für großzügige Sitzverhältnisse und unerwartet viel Bewegungsfreiheit.

Gepflegter Premiumanspruch

Die bietet auch die 965 Euro teure dritte Sitzreihe, denn es handelt sich nicht um die üblichen Kinder- oder Notsitze, sondern um echtes Erwachsenengestühl. Dieses ist leicht zu handhaben und das, ohne beim Versenken die ebene Ladefläche einzuschränken. Der Kofferraum ist für mich sowieso eines der Highlights, denn hinter der sich automatisch öffnenden Hecktür finden sich mindestens 608 Liter Stauraum oder 902 Liter ohne dritte Sitzreihe, maximal sind es sogar 2 085 Liter. An den Haken nehmen darf der Hybrid-Benziner maximal 1 650 Kilo, beim 2.2-Liter-Diesel sind bis zu 2 500 Kilo.

Dass Kia zu durchaus selbstbewussten Preisen mittlerweile mit einem gepflegten Premiumanspruch unterwegs ist, zeigt sich vorn im Fahrzeug: feines Leder in luxuriöser Anmutung, eine wahre Flut an Assistenzsystemen, modernstes Infotainment, sehr gut verarbeitete Materialien und USB-Buchsen bis zum Abwinken. Die Platinum-Ausstattung des Testwagens lässt selbst Verwöhnte den Blick auf die Zubehörliste vergessen: Gefühlt sitzt man in der Vollausstattung, unter anderem mit Bose-Soundsystem und induktiver Smartphone-Aufladung, einem riesigen Touch-Display inklusive modernster Konnektivität, Head-up-Display und erstklassiger Navigation.

Viel Hightech an Bord

Wer Kia fälschlicherweise bislang für einen Billig-Koreaner gehalten hatte, lernt beim Blick auf die Preisliste, dass der Slogan „The Power to Surprise“ mehr als ein Marketingspruch ist: So startet bereits das Basisfahrzeug bei 42.394 Euro, der Testwagen lässt sich locker auf rund 55.000 Euro konfigurieren. Dafür ist dann aber tatsächlich viel Hightech an Bord: Stauassistent, Frontkollisionswarner mit Abbiegefunktion, Spurhalteassistent, Müdigkeits- und Verkehrszeichenerkennung, Multikollisionsbremse, adaptive Geschwindigkeitsregelung und vieles Weitere mehr.

Eine wirkliche Besonderheit ist Kias neue Kombination aus Kamerarückspiegel und Totwinkelassistent. Setze ich den Blinker, so sehe ich im Kombiinstrument vor mir statt Tacho oder Drehzahlmesser das Bild der linken oder rechten Seitenkamera. Das erspart den Schulterblick, denn das System erkennt Hindernisse, wie etwa Radfahrer, zuverlässig und warnt mich zudem durch ein Ruckeln im Lenkrad. Das Ganze funktioniert super, ist intelligent integriert, sodass man es sich sofort in jedem Fahrzeug wünscht.

Zu meckern hatte ich im Sorento-Alltag wenig. Allerdings konnte ich den angegebenen Normverbrauch von 6,2 Litern nie schaffen, bei mir stand immer mindestens eine Acht vor dem Komma. Das liegt wohl mit an der recht kleinen Batterie (1,49 kWh) und der geringen E-Reichweite. Immerhin gelingt der Wechsel der Antriebsarten ruckelfrei. Den Sport-Fahrmodus für einen Hybrid fand ich so überflüssig wie die Schaltwippen im Lenkrad. Lieber wäre mir als Hundehalter eine Netztrennwand zum Kofferaum, aber die bietet Kia leider nicht an.

Heides Testurteil

Viel Platz, viel Hightech, viel Sicherheit: Der Kia Sorento mag kein Schnäppchen sein, aber dank des enormen Aus­stattungsumfangs, des familienfreundlichen Aufbaus sowie modernster Technik ist die vierte Generation eine SUV-Empfehlung – mit sieben Jahren Garantie.

Schlagworte: Autokauf, Automobile

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