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Neugier als Kompass

Das Warten auf ein Ende der Coronapandemie dauert nun doch länger als zunächst erhofft. Während am Ende des vergangenen Jahres noch der Optimismus überwog, sehen sich Politik und Wirtschaft angesichts verlängerter Lockdowns inzwischen gezwungen, ihre Erwartungen herunter zu schrauben.

Von Ian McGarrigle 12.04.2021

© Ralph Peters / Imago Images

Die Pandemie dauert bereits seit mehr als einem Jahr an.

Doch ein klein wenig Zuversicht leisten wir uns trotzdem: Denn schon jetzt zeichnet sich ab, dass es bald besser wird. Ökonomen verweisen auf die kraftvollen Erholungsimpulse der Weltwirtschaft, und angesichts einer baldigen Rückkehr zur Normalität verblassen auch Angst und Nervosität bei den Verbrauchern. Kurzum, es sieht nach „Goldenen Zwanzigern“ aus.

Doch Hand aufs Herz: Auch für den Einzelhandel? Wird dieser Aufschwung wirklich bei allen ankommen? Nach jeder großen Wirtschaftskrise galt bislang die Regel des sogenannten Fahrstuhleffekts, demzufolge alle Wirtschaftszweige von einem Aufwärtstrend profitieren. Das Jahr 2021 könnte in dieser Hinsicht gerade für den Einzelhandel zur Enttäuschung werden. Denn viele Unternehmen der Branche mussten schon lange vor der Pandemie um ihr Überleben kämpfen, so dass sie es womöglich gar nicht mehr in den Post-Corona-Fahrstuhl schaffen werden.

Gleichzeitig zeichnet sich deutlich ab, welche Händler gut durch die Krise gekommen sind und davon sogar profitieren konnten. Amazon, klar. Aber auch die großen Lebensmittelunternehmen. Was haben sie anders gemacht? Oder anders gefragt: Was verbindet die Gewinner der Covid-Ära?

Beschleunigter Wandel

Alle Beobachter sind sich einig, dass die Pandemie den Wandel in erster Linie beschleunigt hat. Nur wenige Trends sind tatsächlich genuin neue Entwicklungen. Der Einzelhandel selbst hat sich jedoch fundamental verändert und präsentiert sich mit einer völlig transformierten Topografie: Denjenigen, die aus der Krise die richtigen Lehren ziehen konnten, ist nun umso klarer, dass Handel schon heute und nicht erst irgendwann in Zukunft auf eine komplett digitalisierte Wertschöpfungskette angewiesen ist und nicht mehr nur kundenzentriert, sondern kundenbesessen sein muss.

Darüber hinaus werden nur jene Händler und Marken auf der Gewinnerseite stehen, die eine Vision haben und mit Blick auf ihr Ziel und die Wege dahin einer klaren Strategie folgen. Dazu zwei Meldungen aus der jüngsten Zeit: Der Luxus-Online-Händler Farfetch konnte sich über Investitionszusagen in Höhe von 1,1 Milliarden Dollar von Alibabas Tmall sowie Richemont, dem Eigentümer von Yoox Net-a-Porter, freuen. Mittel, die Farfetch nun in die Eroberung des chinesischen Markts steckt.

Das andere Beispiel: Anfang Februar kündigte Jeff Bezos an, als CEO von Amazon zurückzutreten. In seinem Abschiedsbrief an die Konzernbelegschaft erläuterte er die Gründe seines Rückzugs vom operativen Geschäft und den angestrebten Wechsel in den Vorstand. Was er seinen Mitarbeitern schreibt, bringt nicht nur Bezos’ Vision auf den Punkt, sondern auch seine Haltung und seinen Antrieb – und ist eine Quintessenz des Erfolgs, die sich jeder Händler zu Herzen nehmen sollte.

Bezos schreibt „Die Erfindung ist die Wurzel unseres Erfolgs. Wir haben uns zusammen verrückte Dinge ausgedacht und dann zur Normalität werden lassen. Ich kenne kein Unternehmen, das so viel erfunden hat wie Amazon. Und ich glaube, wir sind gerade auf dem Höhepunkt unseres Erfindungsreichtums. […] Denkt Euch immer was Neues aus und lasst Euch nicht entmutigen, auch wenn eine Idee anfangs verrückt klingen mag. Vergesst nicht, über den Tellerrand zu schauen und lasst Euch von der Neugier leiten.“

Schlagworte: Coronakrise, Coronavirus

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