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Banger Blick nach China

Erste Anzeichen in mehreren Ländern lassen auf eine überraschend positive Bilanz des zurückliegenden Weihnachtsgeschäfts schließen. Und sicher atmen gerade die Händler in den USA und Europa auf: Ihr Geschäft lief viel besser, als ursprünglich gedacht.

Von Ian McGarrigle 17.01.2017

© Tom-Wang/Fotolia

Doch viele Bereiche des Handels starten mit zunehmender Nervosität in das neue Jahr. Denn der Handel selbst gehört zu jenen Branchen, um die Investoren einen großen Bogen machen. Keiner der von einer großen britischen Zeitung zu Jahresbeginn befragten Wirtschaftsexperten hatte auch nur eine Retail-Aktie unter seinen Investitionstipps für 2017. Soviel Zurückhaltung kommt möglicherweise nicht von ungefähr. Die volkswirtschaftliche und politische Situation in Europa, Nordamerika und vielen anderen Weltregionen zeigt sich zunehmend unberechenbar und instabil. Darüber hinaus unterliegt der Einzelhandel einem fundamentalen strukturellen Wandel, da die Verbraucher ihre Einkäufe mehr und mehr ins Internet verlagern. Etablierte Handelsfirmen haben schwer zu kämpfen, um mit diesen Entwicklungen Schritt zu halten.

Dafür reicht ein Blick auf das letzte Quartal des Jahres 2016 und das jüngste Weihnachtsgeschäft. Das aus den USA importierte Handelsformat „Black Friday“ hat sich inzwischen in vielen Ländern erfolgreich etabliert. Ausgehend von den Erfahrungen des vorvergangenen Jahres  rüsteten sich also viele stationären Händler für einen Kundenansturm. Doch die Verbraucher gaben am Black Friday 2016 ihr Geld am Ende doch lieber für Online-Käufe aus, so dass viele Geschäfte  – vor allem in den USA – auf großen Lagerbeständen sitzen blieben.

Von sich reden machte indes auch ein zunehmend globales Phänomen  – der chinesische Single Day. So erzielte der mittlerweile als “Global Shopping Festival” gefeierte Termin am 11. November 2016 mit Vorreiter Alibaba innerhalb von 24 Stunden einen Gesamtumsatz von 17,8 Mrd Dollar (2015: 14, 3 Mrd. Dollar). Interessanter Nebenaspekt: Die höchste Nachfrage unter den chinesischen Käufer erzielten vor allem internationale Marken, insbesondere US-Brands.

Gerade weil der Einzelhandel in vielerlei Hinsicht so unter Druck steht, ist es umso wichtiger, sich neuen Chancen zu öffnen. Internationale Beobachter des Global Shopping Festival betonten mehrfach, dass Shopping für die chinesischen Verbraucher in erster Linie eine unterhaltsame, entspannenden Freizeitbeschäftigung ist und weniger eine Notwendigkeit. Diese Einsicht sollten auch Händler in den westlichen Ländern beherzigen. Natürlich stehen viele von ihnen vor harten Entscheidungen, was ihr Unternehmen und die Zahl ihrer Läden betrifft. Doch wenn sie bestehen wollen, müssen sie sich zuerst fragen, wie sie ihre Kunden auch in Zukunft begeistern und an sich binden können.

Schlagworte: Alibaba, Kolumne, Singles' Day, World Retail Congress

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