Blog

Die Zukunft entscheidet sich jetzt

Das Jahr 2021 liegt vor uns. Und diesmal ist der Blick in den noch unbeschriebenen Kalender tatsächlich mit der Gewissheit verbunden, dass das, was kommt, ganz anders sein wird als das, was hinter uns liegt.

Von Ian McGarrigle 14.01.2021

© tomertu, stock.adobe.com

Der Einzelhandel muss seine Lehren aus dem Pandemiejahr 2020 ziehen: Es kann kein Zurück in die Komfortzone der Vor-Corona-Ära geben.

Erstmals dürfen wir davon ausgehen, dass die Coronapandemie ein Ende findet. Rund um den Globus beginnen die Impfungen gegen das Virus, und Gesundheitsexperten wie auch Wirtschaftsforscher halten eine Rückkehr zur Normalität in der zweiten Jahreshälfte für ein realistisches Szenario.

Doch wie diese Normalität aussehen wird, ist eine offene Frage, auf die kaum jemand eine Antwort weiß. Mit Ausnahme des schwer geprüften Textilsektors verzeichnet der Einzelhandel in vielen Bereichen nicht nur eine konstante, sondern eine exponentiell wachsende Nachfrage. Doch über alle Warenkategorien hinweg ist das Onlinegeschäft in einem Maße gewachsen, das Experten erst in fünf Jahren erwartet hatten. Nun haben dafür Monate gereicht.

Unabhängig vom jeweiligen technologischen Entwicklungsstand war das vergangene Jahr für Händler eine Zeit enormer Herausforderungen in Sachen Unternehmensführung und -organisation. Es galt, binnen kürzester Zeit auf einen grundstürzenden Wandel zu reagieren, Ressourcen strategisch neu zu nutzen, Lösungen zu entwickeln und bereit zu sein, harte Entscheidungen zu treffen. Doch selbst wenn das gelungen ist, bleibt uns nach dieser Zeit der Umbrüche und Veränderungen lediglich die Gewissheit, dass die Menschen nicht mehr zu ihrem Einkaufsverhalten der Vor-Covid-Zeit zurückkehren werden.

Auch der Einzelhandel muss seine Lehren aus dem Pandemiejahr 2020 ziehen: Es kann kein Zurück in die Komfortzone der Vor-Corona-Ära mit ihren Planungskennziffern und Umsatzprognosen, Vorstandssitzungen und Unternehmenshierarchien geben. Simon Susman, Ehrenpräsident von Woolworth Südafrika, sagte in einem Interview beim ­World Retail Congress: „Wir können nicht einfach zwölf Monate Wahnsinn wegwischen, ohne uns über das Gedanken zu machen, was wir in dieser Zeit gelernt haben.“

Sir Jeremy Farrer, einer der weltweit führenden Virologen, der sein Leben dem Kampf gegen Seuchen wie SARS, die Vogelgrippe und das Coronavirus gewidmet hat, antwortete auf die Frage nach seiner wichtigsten Einsicht aus der aktuellen Krise: „Man hat es mit etwas zu tun, das man nicht versteht, trotzdem kann man es sich nicht leisten, langsamer zu sein als die Epidemie.“ Diese Lehre sollte auch unsere Branche beherzigen. In seinem Post-Corona-Buch „From Crisis to Opportunity“ hat Scott Galloway versucht, die Gewinner und Verlierer in der sich abzeichnenden neuen ökonomischen Weltordnung zu identifizieren. Sein Fazit ist deutlich: Unternehmen, die nach Sicherheit und Stabilität streben, können sich nicht darauf beschränken, ihr Geschäftsmodell zu optimieren. Sie müssen stattdessen „ihr Geschäftsmodell komplett auf den Kopf stellen“. Aus seiner Sicht gebe es „keine bessere Zeit, alles zu vergessen, was man mal gelernt hat“. Er beschwört die Bereitschaft zu knallharten Veränderungen, die nötig seien, um in einer Post-Corona-Welt zu bestehen.

Kein Zweifel, 2020 war ein Jahr drastischer Veränderungen. Der für 2021 zu erwartende Wandel wird dahinter nicht zurückbleiben. Wie der Einzelhandel damit umgeht, entscheidet über seine Zukunft.

Ian McGarrigle ist ein international erfahrener Einzelhandelsexperte aus Großbritannien und der Branche seit mehr als 30 Jahren verbunden. Der Gründer und Direktor des World Retail Congress hat den Einzelhandel unter anderem als Journalist, Autor und Verleger begleitet und war maßgeblich an der Entwicklung der führenden britischen Branchenpublikation Retail Week beteiligt. Die von ihm initiierten Formate, darunter die Retail Week Conference und der Retail Week Award, zählen mittlerweile zu den wichtigsten Veranstaltungen der Branche.

Schlagworte: Kolumne, Ian McGarrigle, Coronakrise, Coronavirus

Kommentare

Ihr Kommentar