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Generation Z

Azubi … verzweifelt gesucht

Aus einem Arbeitgebermarkt ist ein Arbeitnehmermarkt geworden. Umso wichtiger ist es für Unternehmen, den gewandelten Ansprüchen der Bewerberinnen und Bewerber gerecht zu werden. Wie die junge Generation zu erreichen ist.

Von Anne Liesenfeld 21.12.2022

© Stocksy/United Studio Firma

Perspektivwechsel: Hatten Schulabgänger früher Mühe, einen der raren Ausbildungsplätze zu ergattern, hat sich die Situation spätestens ab dem Jahr 2020 dramatisch verändert.

Der Fachkräftebedarf in Deutschland ist und bleibt auch in Zukunft eine große Herausforderung – das spürt auch die Handelsbranche deutlich. Zu Engpässen kommt es in den Zentralen, in der Logistik, aber besonders in den Filialen. Die ­Bevölkerung in Deutschland wird zwar immer älter, jedoch verzeichnen wir ­derzeit den Höhepunkt von registrierten erwerbstätigen Personen. Aufgrund der demografischen Situation (langjährige niedrigere Geburtenrate) werden nach Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) voraussichtlich bei derzeit 47,7 Millionen Erwerbspersonen bis zum Jahr 2035 circa sieben Millionen Arbeitskräfte fehlen.

Die Entwicklungen sind deutlich fühlbar und werden durch verschiedene Faktoren verstärkt, zum Beispiel durch den Trend zum Studieren, der den Mangel an Auszubildenden hochtreibt. Denn fast die Hälfte der jungen Erwachsenen in Deutschland nimmt heute ein Studium auf. Im Jahr 2005 fiel die Zahl deutlich geringer aus – weniger als jeder dritte Schulabgänger begann ein Studium. Die Ausbildungszahlen verdeutlichen es: Im Jahr 2021 gab es 536 239 angebotene Ausbildungsplätze, darauf kamen jedoch laut Erhebungen der Onlineplattform ­Statista nur 497 677 Bewerber. Wer nach Auszubildenden sucht, muss sich also besonders gut aufstellen, um als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen zu werden.

Händler müssen sichtbar werden

Der Arbeitsmarkt hat sich gewandelt — man spricht auch von einem Arbeitnehmermarkt und nicht mehr von einem ­Arbeitgebermarkt, wie es früher einmal war. Bedeutet: Unternehmen müssen sich heute bei den potenziellen Bewerbern selbst bewerben und nicht umgekehrt.

Um wettbewerbsfähig zu bleiben, sollten Unternehmen sichtbar werden und zeigen, was potenzielle Bewerber bei dem Unternehmen erwarten können. Die Erwartungen haben sich im Laufe der Zeit verändert, gerade bei der jüngeren Generation.

So konnte die Generation X (geboren zwischen 1965 und 1979) mit materiellen Anreizen, wie beispielsweise einem Dienstwagen, gelockt werden. Die Generation Y (geboren zwischen 1980 und 1996) und die Generation Z (geboren zwischen 1997 und 2012) wünschen sich mehr als das. Gen Y hat den Internetboom miterlebt und kann mit digitalen Prozessen und ­Veränderungen gut umgehen. Sie ist ehrgeizig, gut ausgebildet und wünscht sich neben einer guten Vergütung eine gesunde Work-Life-Balance. Die Gen Z ist mit der Digitalisierung groß geworden. Sie ­probiert sich gerne aus und ist technisch versiert. ­Flexibilität in Form von mobilem Arbeiten, einem sinnstiftenden Job und ­einem ­gesunden Arbeitsklima ist der Gen Z sehr wichtig. Eine gute Bezahlung wird ­dabei vorausgesetzt. Ein unbefristeter ­Arbeitsvertrag ist wichtig, denn die letzten Krisen ­haben die Gen Z besonders hart ­getroffen. So mussten sie sich mit vielen Unsicherheiten (zum Beispiel Schulschließungen) auseinandersetzen.

Welche Werte wichtig sind

Des Weiteren sollten sich die Unternehmenswerte potenzieller Arbeitgeber mit den eigenen Werten decken. Es ist Er­folg versprechend für Unternehmen, die eigenen Unternehmenswerte zu kennen, nach diesen zu handeln und sie nach außen auf den relevanten Kanälen zu platzieren, um sichtbar zu werden. Wichtige ­Werte für die Gen Z sind etwa Vielfalt, Gleich­berechtigung und Nachhaltigkeit. Diese Maßnahmen führen dazu, dass die eigene Arbeitgebermarke, die sogenannte Employer Brand, positiv wahrgenommen wird und Interesse weckt.

Wichtig ist, die Generation mit zielgruppengerechter Ansprache dort abzu­holen, wo sie sich aufhält – und das ist vor ­allem online. 93 Prozent der 16- bis 29-Jährigen sind auf Social-Media-Plattformen unterwegs. Mehr als die Hälfte der Gen Z gibt an, mehrmals täglich das Smartphone zu nutzen. 34 Prozent nutzen das Smartphone laut der ECC Club Studie 2022 sogar „rund um die Uhr“. Die beliebtesten Plattformen bei der Gen Z sind vor allem YouTube mit einem Nutzeranteil von 89 Prozent, Instagram mit 88 Prozent, Snapchat mit 77 Prozent und TikTok mit 68 Prozent, so der Trend Check Handel, den das ECC Köln im August dieses Jahres erhoben hat.

Warum die sozialen Netzwerke unverzichtbar sind

Social-Media-Plattformen sollten nicht nur für die Schaltung von Anzeigen genutzt werden, sondern vor allem, um die eigenen Firmenwerte und die Firmenkultur, also das Employer Branding, zu repräsentieren. Geeignet sind zum Beispiel Imagefilme oder Kurzvideos, um zu zeigen, wie es im Unternehmen aussieht. Transparenz und Authentizität sind hier entscheidend. Das hilft potenziellen Bewerbern, zu entscheiden, ob das Unternehmen passend ist. Zudem können sie sich bei Interesse direkt bewerben – bestenfalls mobil, denn das Smartphone ist das meistgenutzte Medium der jüngeren Generation. Und: Je einfacher und schneller der Bewerbungsprozess, desto mehr Bewerbungen erhalten Unternehmen.

Dann heißt es schnell sein, denn interessante Bewerber sind rasch vergriffen. Auch Empfehlungen über Social-Media-­Kanäle von bestehenden Mitarbeitern, sogenannten Corporate Influencern, gewinnen an Priorität. Sie empfehlen ihre Arbeitgeber und deren Unternehmenswerte aus eigenem Interesse öffentlich weiter und dienen somit als Unternehmensbotschafter. Im besten Fall haben diese Mitarbeiter eine große Reichweite auf den bevorzugten Kanälen. Ihre Posts wirken glaubwürdiger und sympathischer als jene des Unternehmens selbst. Beispielsweise geben sie Einblicke hinter die Kulissen, wecken Emotionen bei den Rezipienten und verleihen dem Unternehmen somit ein Gesicht.

Um als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen zu werden, ist es ratsam, sich folgende Fragen zu stellen: Welche Werte und Ziele hat mein Unternehmen? Wie kommuniziere ich diese? Ist die Employer Brand klar definiert? Kommen bestehende Mitarbeiter als Corporate Influencer infrage? Nutze ich geeignete Kanäle, um meine Zielgruppe zu erreichen? Wer sich als Arbeitgeber im Handel diese Fragen stellt und authentisch beantwortet, wird auch den wachsenden Ansprüchen des Arbeitsmarkts gerecht werden können!

Schlagworte: New Work, Generation Z, Ausbildung

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