Wellnessbranche

Ausspannen im eigenen Resort

Der Markt für Wellnessein­richtungen hat seit Beginn der Pandemie eine Sonderkonjunktur erlebt. Der Umsatz der im Bundesverband Schwimmbad und Wellness (bsw) organisierten Fachbetriebe ist im vergangenen Jahr einer Schätzung zufolge um bis zu 30 Prozent gestiegen.

Von Ute Wanschura, Geschäftsführerin des Bundesverbands Schwimmbad und Wellness 23.02.2021

© Bundesverband Schwimmbad und Wellness Thilo Haerdtlein

Treiben lassen: Gefragt sind schlichte Pools...

Als Gründe für das Umsatzwachstum lassen sich vor allem zwei Faktoren ausmachen. Der erste Faktor besteht im zunehmenden Wunsch nach dem Besitz einer Immobilie, vor allem eines Hauses. Die andauernde Niedrigzinsphase und der volatile Aktienmarkt lassen Immobilien schon seit einiger Zeit als Geldanlage attraktiv erscheinen.

In Zeiten der Pandemie erlangt der private Rückzugsort offenbar für viele Menschen eine noch höhere Bedeutung als zuvor – der prognostizierte Einbruch auf dem Immobilienmarkt ist ausgeblieben. Im Gegenteil: Die Kaufpreise für Ein- und Zweifamilienhäuser verteuerten sich durch die hohe Nachfrage im dritten Quartal 2020 im Schnitt um 8,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Gibt es mehr Hausbesitzer, profitiert die Wellnessbranche: Denn nur wer über Keller und Garten verfügt, kann sich dort zum Beispiel ein Dampfbad oder einen Pool einbauen.

Der zweite Faktor: der auch „Homing“ oder „Cocooning“ genannte Wunsch der Verbraucher, es sich zu Hause schön zu machen. Die Pandemie hat auch dieses Bedürfnis weiter verstärkt, da Ausflüge und Urlaubsreisen ein Risiko darstellen – wenn sie denn überhaupt möglich sind. Wer seine Ferien gezwungenermaßen zu Hause verbringt, genießt dort ein Schwimmbad, eine Sauna oder eine andere Wellnessanlage in besonderem Maße.

Gutes Wetter als Umsatztreiber

Zudem mag auch das schöne Wetter im vergangenen Sommer dazu beigetragen haben, dass die bsw-Fachbetriebe im Jahr 2020 so viele Pools wie noch nie verkauft oder bei Kunden zu Hause angelegt haben. Die Wasserstelle im eigenen Garten ersetzt in Zeiten von Reisebeschränkungen, geschlossenen Sporteinrichtungen und Schulen gleichzeitig Urlaubsparadies, Fitnessstudio und Spielplatz für die Kinder.

Die Deutschen kaufen also in der Krise mehr Wellnessanlagen – aber welche? Worauf kommt es ihnen bei der Optik an und welche technischen Lösungen stehen hoch im Kurs? Folgende vier Trends lassen sich ausmachen:

1. Viel Purismus und ein wenig Prunk:

Minimalistisch anmutende Anlagen in zurückgenommenem Design dominieren die Pool- und Wellnesswelt. Zeitlose Eleganz in großzügiger Architektur – so lässt sich der Mainstream beschreiben. Sah man früher fast ausschließlich dezente Farbkonzepte, ist jetzt zu beobachten: Vereinzelt und als stylische Details inszeniert, wird auch Prunk wieder sichtbar. Beispielsweise als goldenes Wandelement in der Schwimmhalle, als farbenfrohe Gartendusche am Beckenrand oder leuchtende Schwalldusche, die Massageeinheit und Hingucker gleichzeitig ist.

2. Mehr Multifunktionalität:

Vielseitigkeit kommt an. Der Schwitzkasten von einst vereint heute finnische Sauna, Dampfbad und Wellnessdusche mit Lichtspielen und Duftkompositionen. Schwimmbadabdeckungen fahren als schicke Rollläden übers Wasser oder dienen in Holzdeckausführung als Terrasse, wenn sie geschlossen sind. So verwandelt sich der Pool im Garten in ein Wellness-Wohnzimmer unter freiem Himmel, das sich mit schicken Gartenmöbeln, passender Bepflanzung, faszinierenden Feuerstellen, Luxusgrills und durchdachtem Lichtdesign abrunden lässt.

3. Mehr Umweltbewusstsein:

Gefragt sind umweltschonende Technologien und Produkte. Mit einer Schwimmbadabdeckung verbraucht die Heizung beispielsweise bis zu 80 Prozent weniger Energie. So lassen sich in der Schwimmbadsaison von Mai bis September rund zwölf Tonnen CO2 sparen – so viel, wie ein Pkw auf 30 000 Kilometern Fahrt ausstößt. Energieeffiziente Wärmepumpen, Solarabsorber und regelbare Pumpen eröffnen weiteres Einsparpotenzial.

4. Mehr smarte Technik:

Die angenehmen Seiten der Digitalisierung wollen Kunden auch bei der Steuerung und Instandhaltung ihrer Wellnessanlagen genießen: Komfortprodukte erfreuen sich großer Beliebtheit. Vom Arbeitsplatz aus das Schwimmbadwasser schon mal auf angenehme Temperaturen bringen oder die Reinigung des Pools regeln – das ist selbstverständlich möglich. Ebenfalls erhältlich sind zum Beispiel Reinigungsroboter mit Liftfunktion, die nach getaner Arbeit an der Beckenwand hochklettern, ohne dass sich der Nutzer bücken muss. Wer will, kann seine Schwimmbadanlage auch direkt durch den Fachunternehmer fernwarten lassen.

Mehr aktuelle Informationen aus der Branche bietet der Verband unter: bsw-web.de

Schlagworte: Coronakrise, Coronavirus, Lockdown, Wellnessbranche

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