Anzeige
Standortpolitik

Aus der Praxis für die Praxis

Die Onlineplattform „Stadtimpulse“ versammelt erprobte Konzepte für die Weiterentwicklung von Innenstädten. Seit Mai 2021 ist der Projektpool online. Ein Zwischenstand.

Von Cornelia Dörries 19.11.2021

© iStock/Getty Images

Die Onlineplattform „Stadtimpulse“ ist eine Initiative von Handels­verband Deutschland (HDE), den kommunalen Spitzenverbänden sowie dem auf die Entwicklung von Städten und Regionen spezialisierten Beratungsunternehmen CIMA.

Mehr als 40 geprüfte Modellvorhaben, ständig neue Einreichungen und Aufmerksamkeit über alle politischen Lager hinweg – die erste Zwischenbilanz der „Stadtimpulse“ kann sich sehen lassen. Auch die Initiatoren des, wie es heißt, „ersten bundesweiten, zertifizierten Projektpools für Innenstadt, Handel und städtisches Leben“ sind zufrieden.

Michael Reink, HDE-Bereichsleiter Stand­ort- und Verkehrspolitik, und Roland Wölfel, Geschäftsführer der CIMA, haben mit ihrer Idee, eine Datenbank für praxisnahe Konzepte und Lösungen in Sachen Innenstadt aufzusetzen, eine Brücke über die oft tiefen kommunalpolitischen Gräben von Wollen und Müssen einerseits und dem konkreten Handeln andererseits geschlagen. Anders formuliert: Dem weithin erkannten Bedarf an guten Ideen für die Weiterentwicklung zentraler Stadtlagen kommen die „Stadtimpulse“ mit einem kontinuierlich wachsenden Kompendium erprobter, mitunter auch wagemutiger Ansätze für nahezu alle Fragestellungen der Innenstadtentwicklung entgegen.

Seit dem Launch der Plattform im Mai 2021 sind mehr als 40 Projekte mit Modellcharakter veröffentlicht worden, von Vorhaben zu Standortförderung und Stadtgestaltung über Mobilität und Marketing bis hin zu Handelsinnovationen selbst. Gefiltert nach Einwohnerzahl, Projektvolumen und Angaben zu Partnern, Bundesland und Zeitraum, zeigen die Beispiele ein breites Spektrum urbaner Reanimationsanstrengungen. Wer also nach bewährten Konzepten für seine Innenstadt sucht, ganz gleich, ob es sich um eine mittlere Kommune im Bergischen Land oder eine vernachlässigte Einkaufsstraße in einer Universitätsstadt handelt, findet auf der Seite mindestens Anregungen für die Konzeption eigener Projekte, aber auch Ansätze für umfassende, langfristige Strategien.

Interdisziplinärer Sachverstand

„Während Formate wie stadtspezifische Einkaufsgutscheine in vielen Orten ausprobiert werden, zeigt sich nach den ersten Monaten, dass bei Projekten für neue Mobilität und Stadtumbau noch Luft nach oben ist“, sagt Roland Wölfel. Als Erklärung dafür genügt ein Blick auf die damit verbundenen Kosten: Strukturelle Maßnahmen wie der Umbau des ehemaligen Hertie-Warenhauses in Lünen schlagen mit anderen Summen zu Buche als ein Instagram-Account des Influencer-Stadtmarketings in Karlsruhe. Von den Planungsfristen ganz zu schweigen.

„Durch die Auswahl der Projekte für die Datenbank stellen wir jedoch sicher, dass bewährte Ansätze wie Stadt-Schecks oder Einkaufsgutscheine jeweils nur einmal vertreten sind“, ergänzt Michael Reink. Dass nur nachweislich funktionierende Ideen in den Projektpool aufgenommen werden, sichern die Organisatoren durch mehrere Prüfvorgänge ab. „Vor der Bewertung durch eine Jury werden die Einreichungen von uns gecheckt“, erklärt Wölfel. „Mehrere Mitarbeiter sind mit der Recherche von Hintergrundinformationen zu den Projekten beschäftigt und fragen vor Ort nach, wie eine Maßnahme läuft. Das ist zwar ein erheblicher Aufwand, der sich am Ende jedoch auszahlt.“ Und zwar in Form von Vielfalt und Qualität der auf der Plattform präsentierten Modellvorhaben.

Die „Stadtimpulse“ richten sich als übergreifendes Kooperationsformat nicht allein an eine Branche, sondern berücksichtigen Einreichungen sowohl von Einzelpersonen und Unternehmen als auch von Kommunen, Verbänden oder zivilgesellschaftlichen Initiativen. Auch die Jury, die sich quartalsweise zur Auswahl neuer Projekte trifft, entscheidet mit interdisziplinärem Sachverstand. Ihr gehören Vertreter der Organisationen an, die die „Stadtimpulse“ gegründet haben oder unterstützen, darunter alle kommunalen Spitzenverbände, die Bundesvereinigung City- und Stadtmarketing Deutschland (BCSD) und natürlich der HDE als Mitinitiator. „Innenstadtentwicklung kann nur in kooperativer Gemeinschaft starker Partner gelingen. Die Stadtimpulse bieten genau das: eine tolle Gemeinschaft mit guten und zertifizierten Projekten zum Wohle unserer Innenstädte“, so HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth.

Unabhängige Mittlerfunktion

Selbst im Bundestag waren die „Stadtimpulse“ deshalb schon Thema. „Bernhard Daldrup, der für die SPD im Ausschuss für Bau, Wohnen, Stadtentwicklung und Kommunen sitzt, hat unseren Ansatz im Plenum vorgestellt und ihn als beispielhaft für strategisches Innenstadthandeln gelobt“, sagt Reink nicht ohne Stolz.

Dass die Plattform exakt zu jenem Zeitpunkt an den Start ging, als den Kommunen über den von Bund und Ländern aufgelegten Innenstadtfonds die Mittel für nötige Maßnahmen zur Verfügung standen, darf als Punktlandung gelten. Und wie geht es nach dem geglückten Auftakt weiter? Reink und Wölfel haben das Ziel, die „Stadtimpulse“ zu einem Ort der Vermittlung und des Lernens auszubauen. „Der Einzelhändler handelt heute eben nicht mehr einzeln und nur für sich“, so Wölfel. Doch noch fehlt es an einer integrativen, von Länder- und Brancheninteressen unabhängigen Ebene, auf der sich Innenstadtakteure aus Politik, Wirtschaft und Planung über Best-Practise-Ansätze austauschen oder eigene Erfahrungen mit bestimmten Konzepten teilen können. Die „Stadtimpulse“ hätten als unabhängiger Mittler das Zeug dafür. „Perspektivisch wollen wir auch Webinare anbieten und die Best-Practice-Datenbank stärker um interaktive und kooperative Formate ergänzen“, betont Michael Reink. Wenn es um Innenstadt geht, soll künftig kein Weg mehr an den „Stadtimpulsen“ vorbeiführen. So verwandelt sich die Plattform in ihren eigenen Gegenstand: Sie wird zum Marktplatz von Menschen und Ideen.

Forum der Stadtmacher 

Die vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie geförderte Plattform „Stadtimpulse“ versammelt Modellvorhaben und Best-Practice-Beispiele aus ganz Deutschland. Initiiert von Handelsverband Deutschland, Deutschem Städtetag, Deutschem Städte- und Gemeindebund, der CIMA sowie der Bundesvereinigung für City- und Stadtmarketing Deutschland, stellt der Projektpool geprüfte niederschwellige Lösungsansätze vor, die dazu beitragen, zentrale Stadtlagen weiterzuentwickeln. Die Einreichung von Projekten ist kostenfrei und nicht an Fristen gebunden. Jedes Vorhaben bewertet eine fachübergreifende Jury mit Experten aus Handel, Stadtplanung, Immobilienwirtschaft und Tourismus. Gelistete Projekte erhalten das Siegel „Impulsgeber“.

Weitere Informationen finden Sie hier.

Schlagworte: Einzelhandel, Point of Sale, Innenstädte, Initiative

Kommentare

Ihr Kommentar