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DIY-Onlinemarkt

Auf die Kundin zugeschnitten

The Creative Club möchte der eine digitale Ort werden, an dem Menschen, die sich für Handarbeit begeistern, einfach alles bekommen. Dafür betreibt der Platzhirsch von Deutschland aus intensive Datenanalyse.

Von Frank Burger 07.12.2021

© The Creative Club

The Creative Club strebt die globale Marktführerschaft an.

Wenn meine Mutter früher in den 1980er-Jahren ein neues Kleidungsstück nähen wollte, musste sie erst alles einzeln besorgen, und die Auswahl war viel kleiner“, sagt Andreas Seifert, Geschäftsführer der digitalen Handarbeitsplattform The Creative Club (TCC). „Das Material gab es bei Kar­stadt, ein passendes Schnittmuster mit Glück im Burda-Style-Heft – bis sie alles zusammenhatte, konnten Wochen vergehen.“

Kollektion steht im Zentrum

Bei TCC kann der Einkauf in wenigen Minuten erledigt sein. Das Unternehmen vertreibt über 15 Online-Plattformen in zwölf europäischen Ländern mehr als 30 000 Produkte wie Stoffe, Nadeln und Garn sowie 70 000 E-Learning-Produkte, etwa digitale Schnittmuster, E-Books und Videokurse. Der Schwerpunkt liegt auf dem Nähen, aber auch Utensilien fürs Häkeln, Stricken und Basteln sind zu finden – das Portfolio wächst monatlich um gut 600 Artikel, und Seifert sagt: „Wir wollen weltweiter Marktführer im Do-it-yourself-Bereich werden.“

Branchenkenner schätzen das Volumen dieses Marktes auf umgerechnet 86 Milliarden Euro. Der Anteil von TCC daran wächst seit Jahren beträchtlich, 2020 stieg der Umsatz um 70 Prozent auf rund 43 Millionen Euro. Ungefähr sechs Millionen Besucher verzeichnen die 15 Onlineportale monatlich, zwei Millionen registrierte Kunden hat das Unternehmen in seiner Datenbank.

Genauer gesagt Kundinnen: 92 Prozent der User sind Frauen, die meisten zwischen 20 und 45 Jahre alt. Andreas Seifert unterteilt sie in drei Gruppen: „Es gibt die Professionals, die zwar nicht beruflich nähen, aber mindestens einmal in der Woche zum Nähzeug greifen, gefolgt von denen, die es zwei- bis dreimal im Monat tun, und den Rookies, also Anfängerinnen. Zum Beispiel Frauen, die während der Corona-Lockdowns ihre alte Nähmaschine wieder vom Speicher geholt haben.“

Männer, so der Geschäftsführer, begeisterten sich am ehesten für das Segment Outdoor, das am stärksten von allen Produktkategorien wachse. „Da mischen sich Familienprojekte: Die Frau sucht den Stoff aus, der Mann bezieht damit das Sofa für den Garten.“

Aus welchem Land des Kontinents eine Kundin stammt, beeinflusst ihr Kaufverhalten, doch mehr noch die Frage, ob aus der Stadt oder der Provinz: „In England gibt es London und den Rest, in Frankreich Paris und den übrigen Teil. Generell kaufen Kundinnen aus großen, weltoffenen Städten stylishere Artikel, in der Provence, der Normandie oder in Leeds und Newcastle sind ganz andere Stoffe gefragt, stärker orientiert an lokalen und regionalen Traditionen.“

Jährlich aufgelegtes Trendbuch

Das gilt auch für Deutschland: In Hamburg verkaufen sich maritim weiß-blaue Artikel besser, in München zieht Dirndlstoff – je nachdem, wo sich eine Kundin einloggt, werden die entsprechenden Produkte weiter oben gelistet. Dafür nutzt TCC neue Technologien und künstliche Intelligenz, denn nichts wird dem Zufall überlassen – schon gar nicht die Zusammenstellung der Kollektion, denn „das ist der wichtigste Teil unseres Geschäfts“, erklärt Seifert.

Um zu antizipieren, welche Stoffe und Schnitte im Sommer 2022 en vogue sein werden, betreibt TCC ausführlich Forschung und zapft dafür viele Quellen an. Die Modenschauen auf den Catwalks von Paris bis Mailand beispielsweise sind Trendsetter für die kommende Saison, Hinweise liefern auch klassische Printmedien wie Burda Style, Mode-Blogs sowie die Youtube-Kanäle von Influencern. „Wir beauftragen Trendscouts, fragen Lieferanten, wobei die Nachfrage steigt, analysieren, was online gesucht wird, und werten unsere eigenen Kundendaten aus.“ Die Ergebnisse fließen ein in das jährliche Trendbuch, dessen Herzstück eine Farbpalette ist, zusammengestellt aus den international verbreiteten Pantone-Farbtönen – die Grundlage der Einkaufsliste, an die sich die Einkäufer von TCC streng halten müssen.

Seit Kurzem hat TCC auch eigene Entwürfe im Angebot, die Designerinnen für die Kinderkollektion entwickelt haben. Auch in diesem Segment sei die Trendbeobachtung das A und O, sagt Seifert: „Stehen Kinder gerade auf Äpfel, Birnen oder Zitronen, Raketen, Autos oder Züge? Um das zu verstehen, durchforsten wir die Alltagskultur: Filme, Bücher, Lieder, Spielfiguren.“

Extrem niedrige Retourenquote

Die zu verarbeitende Informationsflut wächst mit TCC mit, daher auch die Zahl der Beschäftigten, die den Datenstrom analysieren und interpretieren. Insgesamt arbeiten bei TCC, Stand September 2021, rund 320 Menschen aus 35 Nationen, davon 44 beim Portal makerist.de in Berlin, 130 im Hamburger Office und 146 in der Logistikzentrale im Norden Hamburgs. Von dort gehen täglich 4 000 Pakete ins In- und Ausland raus, die es grundsätzlich eilig haben: TCC verspricht seinen Kundinnen, innerhalb von zwei bis vier Tagen zu liefern. Die Retourenquote liegt bei nur knapp zwei Prozent – im E-Commerce mit Bekleidung und Accessoires sind sonst bis zu 50 Prozent normal.

Die Kundinnenzufriedenheit kann Andreas Seifert sogar persönlich belegen: „Meine Mutter kauft mittlerweile bei uns, sie strickt und näht für ihre Enkel und hat einen Instagram-Account.“ Klar auch, zu welchem Kundinnensegment sie gehört: „Sie ist gelernte Schneiderin – she’s a professional!“

Schlagworte: DIY-Branche, DIY, Onlinehandel

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