Onlinehandel

Auf die Katze gekommen

Dass aus einem Onlineshop Marke Eigenbau ein erfolgreiches Unternehmen wird, kommt eher selten vor. Katharina Bickel jedoch scheint mit Catlabs genau das zu gelingen – auch dank prominenter Unterstützer.

Von Christine Mattauch 01.02.2022

© Catlabs/Jane Markert

Es begann mit Holly. So heißt die Katze von Katharina Bickel. Vor drei Jahren entwarf sie erstmals Spielzeug für das Tier. „Es macht mir einfach Spaß, Dinge zu kreieren“, sagt die Mediendesignerin. Dann stellte sie die Sachen online zum Verkauf. Viele versuchen so im Internet ihr Glück: die Kosmetikliebhaberin mit den eigenen Cremes, der Heimwerker mit seinen Nistkästen, die Schneiderin mit ihren Designs. Die meisten geben nach kurzer Zeit wieder auf. Nicht so Bickel.

Mit ihrem Start-up Catlabs kommt die Tierfreundin jetzt sogar groß raus. Das hat vor allem zwei Gründe: Erstens arbeitete die 42-Jährige vor ihrer Gründerkarriere im Marketing. Zweitens hat sie sich im Oktober die Unterstützung prominenter Profis gesichert – durch einen charmanten Auftritt in der Vox-Produktion „Die Höhle der Löwen“: Mit 75.000 Euro stiegen die Fernsehinvestoren Georg Kofler und Ralf Dümmel bei ihrem Start-up ein. Im Gegenzug gab Bickel 30 Prozent der Anteile ab.

Es ist kein Betrag, der große Sprünge erlaubt – aber er übersteigt Catlabs' bisherigen Jahresumsatz. Der freilich hat sich, ebenso wie der Bekanntheitsgrad, seit der Sendung sprunghaft erhöht: Catlabs-Produkte gibt es jetzt unter anderem bei Kaufland, Fressnapf und in einigen Edeka-Filialen; auf Instagram hat das kleine Start-up über 5.000 Abonnenten. Weil die Fernsehshow Monate im Voraus produziert wird, konnte sich Bickel auf den Ansturm vorbereiten. Sie und ihre neuen Gesellschafter wollen den Schwung nutzen: „Catlabs soll eine weltweit bekannte Katzenmarke werden“, wünscht sich Kofler.

Ehe es so weit kommt, muss allerdings noch viel geschehen. Zum Zeitpunkt der Sendung umfasste Catlabs' Sortiment gerade einmal drei Sorten von Spieltierchen, gefüllt mit Katzenminze oder Baldrian. Nachfüllbar und aus Schurwolle, in Handarbeit fair gefertigt in einem sozialen Projekt in Nepal. Mit einem Wort: nachhaltig. Das liegt im Trend. Schon vor der „Höhle der Löwen“ hatte Bickel ein Listing bei Globus und dm geschafft. Dafür ist sie den Filialisten noch heute dankbar: „Für Catlabs war das ein Game Changer.“ Sie wünscht sich vom Handel mehr Mut, wenn es darum geht, jungen Marken eine Chance zu geben. „Das nutzt auch dem Handel selbst.“

2018 war die Vegetarierin mit Catlabs gestartet, ein Jahr später stand die GmbH. Ihre Erfahrungen vermarktete Bickel nebenbei als Speakerin und Beraterin, Motto: „Ich kenne die Konzernwelt und das Gründerleben.“ Vor Catlabs hatte sie bei Konzernen wie BMW, Amazon und Scout24 gearbeitet und eine Zeit lang in den USA gelebt, bis eine schwere Krankheit die Karriere unterbrach und zum Neuanfang in München führte. Ihre ersten Stofftierchen fertigte sie zu Hause am Küchentisch mit der Nähmaschine ihrer Tante.

Expansion in DACH-Region

Es ist eine Geschichte, die sich gut erzählen lässt, wie auch die Macher von „Die Höhle der Löwen“ erkannten. Mit Blick auf die Konkurrenz ist das nicht unwichtig – schließlich verkaufen auch andere nachhaltiges oder nachfüllbares Katzenspielzeug. Lucybalu aus München zum Beispiel hat unter anderem einen „Mint Ball“ aus Filz im Angebot, Kätts aus Hamburg führt eine wiederbefüllbare „Kräuter-Rübe“ aus Naturhanf.

Neben dem Fernsehruhm hilft Bickel der Umstand, dass sich viele Menschen in den kontaktarmen Pandemiejahren ein Haustier zulegten: Nach einer repräsentativen Befragung des Marktforschungsinstituts Skopos lebten in deutschen Haushalten 2020 rund 15,7 Millionen Katzen, eine Million mehr als im Jahr zuvor. Die Ausgaben in dem Segment steigen kräftig, besonders stark bei Artikeln, die Gesundheit und Bewegung fördern. Bickel operiert also in einem Wachstumsmarkt. An den unternehmerischen Blickwinkel muss sie sich manchmal noch gewöhnen. Sie versteht sich eher als Teil einer Community. „Die süßen Katzenvideos und Fotos, die ich zugeschickt bekomme, erfreuen natürlich mein Herz.“

Was ihr an Know-how fehlt, gleichen die Teams der neuen Investoren aus. Die beraten strategisch und helfen auch praktisch, etwa bei der Lieferantenauswahl oder im Markenrecht. „Das ist eine Bereicherung“, sagt Bickel, „die Entscheidungen treffe aber ich.“ Aber dann muss sie doch erst mal nachfragen, welche Geschäftszahlen sie preisgeben darf. Die lesen sich erwartungsgemäß gut: Im Jahr 2021 habe Catlabs rund 200.000 Spielzeuge verkauft, das entspreche einem Außenumsatz im Handel von 1,5 Millionen Euro. Auch der Break-even sei bereits erreicht. Den Firmensitz hat Bickel vom heimischen Arbeitszimmer in ein Bürocenter im Münchner Nobelvorort Grünwald verlegt. Einen neuen Claim gibt es auch: Miau Moments.

Richtig losgehen soll es mit der Expansion im nächsten Jahr. Bickel will Mitarbeiter einstellen und das Sortiment kräftig ausweiten: Neben weiterem Katzenspielzeug soll es Liegeplätze, Kratzmöbel, Pflegeprodukte und Accessoires für die Katzenmama geben. Fokus bleibt vorerst die DACH-Region, in weitere Länder wie Frankreich und Großbritannien will sich Catlabs frühestens 2023 wagen. Eine neue Finanzierungsrunde ist vorerst offenbar nicht geplant: „Ich bin sehr happy mit den beiden Investoren, die ich jetzt habe.“ 

Schlagworte: Tierbedarf, Onlinehandel, E-Commerce

Kommentare

Ihr Kommentar