Inventurdifferenzen

Wachsender Milliardenschaden

Prävention und Sicherheitsmaßnahmen zum Trotz – Handelsunternehmen müssen enorme Inventurdifferenzen in Kauf nehmen: 4,4 Milliarden Euro entgingen dem Handel im Vorjahr durch Diebstähle und organisationsbedingte Verluste. Das sind rund 5 Prozent mehr als 2018.

28.07.2020

© iStockphoto/Tom Hahn

Rein statistisch gesehen wird durch jede Person in Deutschland ein Warenwert von knapp 30 Euro pro Jahr gestohlen, rechnet das EHI vor.

„Rein statistisch gesehen wird durch jede Person in Deutschland ein Warenwert von knapp 30 Euro pro Jahr gestohlen“, kommentiert Frank Horst, Sicherheitsexperte vom EHI die Ergebnisse der aktuellen Studie „Inventurdifferenzen im deutschen Handel 2020“. Hinter den hohen Zahlen steckt vor allem eins: Diebstahl. Von den 4,4 Milliarden Euro Inventurverlusten (branchengewichtete Hochrechnung für den gesamten deutschen Einzelhandel) entstehen 3,75 Milliarden Euro durch Entwendung. 

Waren im Wert von 2,44 Milliarden Euro werden durch Kunden gestohlen, 950 Millionen werden von eigenen Mitarbeitenden entwendet und 360 Millionen Verlust gehen auf Diebstähle durch Lieferanten und Servicekräfte zurück. 660 Millionen Euro Schaden entstehen durch organisatorische Mängel, beispielsweise durch falsche Preisauszeichnung. Dem Staat entsteht mit dem Diebstahl ein volkswirtschaftlicher Schaden von 510 Millionen Euro im Jahr durch die Mehrwertsteuer Ausfälle. 

Kosten durch Prävention

Die Inventurdifferenzen schwächen die Rendite. Setzt man die entgangenen Verkaufspreise in Bezug zum Bruttoumsatz entsprechen sie in branchengewichteter Hochrechnung einem Wert von rund 1 Prozent des Umsatzes. Zusammen mit den Ausgaben für Diebstahlprävention und Sicherungsmaßnahmen entgeht dem Handel so rund 1,32 Prozent seines Umsatzes. 

Doch auch wenn das Thema Diebstahl ein Dauerbrenner ist: 2019 sind die angezeigten Ladendiebstähle laut polizeilicher Kriminalstatistik um 3,9 Prozent auf insgesamt 325.786 Fälle (Vorjahr 339.021) zurückgegangen. Während die Zahl der einfachen Ladendiebstähle seit 1997 nahezu kontinuierlich gesunken ist, haben sich schwere Ladendiebstähle in den letzten dreizehn Jahren nahezu verdreifacht. Durch die hohe Dunkelziffer von über 98 Prozent besitzt die Statistik nur eine eingeschränkte Aussagefähigkeit.

Aus dem durchschnittlichen Schaden aller angezeigten Diebstähle und dem tatsächlichen Schaden im Handel ergibt sich, dass jährlich rechnerisch über 22,2 Millionen Ladendiebstähle mit je einem Warenwert von 110 Euro unentdeckt bleiben. Klaurenner variieren –  je nach Handelsbranche und Unternehmen – von Akkus und alkoholischen Getränken bis Zahnbürstenaufsätzen und Zigaretten. Die komplette Studie kann im EHI-Shop bezogen werden.

Lesen Sie hier auf handelsjournal.de, warum der Handesverband Deutschland ein härteres Vorgehen gegen die Täter fordert - und wie dem Diebstahl stärker Einhalt geboten werden kann.

Schlagworte: Einzelhandel, Inventurdifferenzen, EHI Retail Institute, Studie

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