Freitag, 18. Mai 2012
Bildquelle: Stefan Mugrauer für Handelsjournal
ECR-Tag 2010

Mediatoren

Die GS1-Experten Jörg Pretzel und Heiner von Brachel diskutieren Zukunftsaufgaben der Konsumgüterbranche.
Text: Andrea Kurtz, Nicole Ritter, 16. Juli 2010
Kartellrechtsverletzungen oder vermeintlich ungleiche Machtverhältnissen der Marktpartner sorgen für Unruhe. Dürfen Ihre Mitglieder eigentlich noch miteinander reden?
Pretzel: Auf der Plattform von GS1 dürfen unsere User das. Wir behandeln hier keine Themen, bei denen es um Preisabsprachen oder Konditionen geht. Bei uns geht es darum, die Geschäftsprozesse zwischen Industrie und Handel zu optimieren. Und zwar unter dem Gesichtspunkt, dass ein Nutzen für den Verbraucher entsteht. Vor diesem Hintergrund hat das Kartellamt nichts dagegen, dass wir unsere Arbeit fortsetzen. Um auf der sicheren Seite zu sein, haben wir vor zwei Jahren ein Compliance-Programm etabliert, in dem klare Regeln für die GS1-Plattform festgelegt wurden. Diese fanden Eingang in eine Konvention, die von allen Unternehmen, die aktiv auf unserer Plattform zusammenarbeiten, akzeptiert und unterschrieben worden ist. Man kann schon fast von einer Meisterleistung sprechen, rund 250 Juristen davon zu überzeugen, gemeinsam eine solche Compliance-Regelung zu unterschreiben. Zusammengefasst: Wir können weiter dafür Sorge tragen, dass im Sinne des Konsumenten Industrie und Handel miteinander sprechen. Und nicht nur sprechen, sondern auch Dinge umsetzen.

Welche Maßnahmen haben Sie dazu noch im Köcher?
Pretzel: Wir haben das Thema aktiv aufgegriffen, insbesondere nach den Handlungen des Kartellamts im Januar. Speziell im Bereich des Category Managements sind nach den Durchsuchungen in den Unternehmen viele Fragen aufgetaucht. Wir haben ausführlich im Aufsichtsrat diskutiert und beschlossen, dieses so wichtige Thema im Rahmen eines Experten-Workshops intensiv weiter zu behandeln. Zum anderen verfassen wir derzeit das Memorandum „Transparenz ist nichts Verwerfliches". Darüber hinaus bieten wir Seminare und Workshops für die operative Ebene, für Vertriebsleute, Einkäufer und Warengruppenmanager an, um sie in ihrem Verhalten bei der täglichen Arbeit zu unterstützen.

Sie scheinen in der aktuellen Diskussion ganz neue Aufgaben als Moderator, als neutrale Stelle zu bekommen.
Pretzel: Das ist in der Tat eine Aufgabe, die wir gemeinsam mit unseren Gesellschaftern und anderen relevanten Partnern annehmen und lösen wollen: Das sind zum einen unsere Gesellschafter, der Markenverband und das EHI, zum anderen der HDE als wichtige Brancheninstanz. Im engen Austausch wollen wir dem Kartellamt eine deutliche Position und die Botschaft „pro Kooperation" vermitteln.

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