Bildquelle: VisitBerlin
Metropolregion Berlin
Ich hab' so Heimweh ...
... nach dem Kurfürstendamm: Städtetourismus und Messekonjunktur, das geht oft Hand in Hand. Die Hauptstadt begeistert 20 Jahre nach der Wiedervereinigung.
Text: Jürgen Albrecht,
16. November 2010
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Am Bahnhof Zoo drehen sich die Kräne. Im Zentrum der City-West entsteht mit dem Waldorf Astoria Deutschlands edelstes Hotel. 242 luxuriöse Zimmer und Suiten, ein Ballsaal für 400 Personen und ein 1.100 qm großer Konferenzbereich sind gegenüber der Gedächtniskirche im Bau. Die Fertigstellung ist für Ende 2011 geplant. Gerade eben eröffnet hat das Vier-Sterne-Hotel Scandic am Potsdamer Platz, das ganz auf Umweltfreundlichkeit setzt. Die Berliner Hotellandschaft wurde damit um 563 Zimmer erweitert. Auch in Berlins City-Ost boomt das Beherbergungsgewerbe. Viele Hotels und Hostels werben dort mit Zimmerpreisen von 59 Euro. Rund um den Alexanderplatz sollen im nächsten Jahr sechs neue Hotels mit rund 1.500 Betten entstehen. Für 2012 sind hier bereits drei weitere mit einer Kapazität von insgesamt knapp 900 Betten geplant. „Berlin zählt zu den großen Gewinnern im Städte-Tourismus, und die Branche ist für unsere Stadt ein wichtiger Wirtschaftszweig geworden", sagt Klaus Wowereit, Regierender Bürgermeister von Berlin. Kaum eine andere Stadt könne eine solche Steigerung der Besucherzahlen in Krisenzeiten verzeichnen. „Ob Shopping, Kultur oder Sport, wir begeistern Touristen aus aller Welt und präsentieren uns als offene und liberale Metropole." Und auch als Wirtschaftsstandort konnte die Hauptstadt jüngst den Titel „Aufsteiger des Jahres" holen: Im Ranking der 30 größten deutschen Städte, das das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut HWWI jedes Jahr erstellt, ist Berlin von Platz 24 auf Platz 8 hinaufgeklettert. Internationalität, Bildung und Erreichbarkeit sind Standortvorteile, die weiter ausgebaut wurden, heißt es in der Studie. „Um Erfolg zu haben, müssen Städte offen sein für neue Ideen und so Talente anziehen, die Technologie und Fortschritt bringen", sagt HWWI-Direktor Thomas Straubhaar.
Und genau diese Offenheit ist es, die nicht nur Touristen, sondern auch Unternehmen und Investoren an Berlin so schätzen. Die Attraktivität der Stadt hat in den letzten Jahren dazu geführt, dass sich der Tourismus mit einem jährlichen Bruttoumsatz von rund 9 Mrd. Euro zu einer Schlüsselbranche entwickelt hat. In diesem Jahr wird mit rund 20 Mio. gewerblichen Übernachtungen gerechnet (2009: knapp 19 Mio.), die die Beschäftigung von rund 230.000 Personen sichern. „Zu den größten Profiteuren der Umsätze aus dem Berlin-Tourismus", sagt Wirtschaftssenator Harald Wolf, „gehören neben dem Gastgewerbe der Einzelhandel und Dienstleistungsunternehmen aus den Bereichen Kultur, Freizeit und Verkehr." Nils Busch-Petersen, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg (HBB), sieht das nicht anders. „Ohne Berlins Touristen wären viele Handelsunternehmen kaum lebensfähig."
Der Handel habe sich erfreulich früh auf diese Entwicklung eingestellt, zu einer Zeit, als mit diesem Besucherboom kaum zu rechnen war. Dazu gehörten zum Beispiel der großzügige Umbau des KaDeWe am Tauentzien und der Galeria Kaufhof am Alexanderplatz sowie anderer Handelseinrichtungen, Sprachkurse für Verkäuferinnen, die der Handelsverband unterstütze, und die aktive Mitarbeit an dem im Jahr 2004 gegründeten „Runden Tisch Tourismus", bei dem es um die aktuelle Entwicklung und neue Ideen für Tourismus-Zukunftsprojekte geht. Die regelmäßige Teilnahme des Regierenden Bürgermeisters und des Wirtschaftssenators an diesen Beratungen unterstreichen die Bedeutung dieses Gremiums. Hier wurden Ideen für Events entwickelt, wie etwa das „Festival of Lights" und „Winterzauber", die vor allem in den oft trüben Herbst- und Wintermonaten für Attraktionen sorgen — bevor dann rund 60 Weihnachtsmärkte in allen Stadtbezirken die Stimmung erwärmen.
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