Freitag, 18. Mai 2012
Bildquelle: dlv-Netzwerk Ladenbau
handelsjournal & dlv-Netzwerk Ladenbau

Realistisch

Manchmal geraten nachhaltige Wünsche mit der Wirklichkeit aneinander. Ladenbauer suchen nach intelligenten Lösungen für dieses Problem.
Text: Silke Bohrenfeld-Künstler, 17. Mai 2010
Es geht nicht um Gewinnmaximierung, sondern um Sinnmaximierung." Für Götz Rehn, Chef und Gründer der Bio-Marke Alnatura, sind das keine leeren Worte. Lange bevor Nachhaltigkeit in aller Munde war, hatte der Anthroposoph bereits seinen Naturkosthandel gegründet. Hier setzt er nicht nur auf nachhaltige Produkte, sondern auch die Ladenausstattung hält einem nachhaltig-kritischen Blick stand. Bereits für den ersten Markt, der 1987 in Mannheim seine Pforten öffnete, wurden für die Ladeneinrichtung vorwiegend nachwachsende Rohstoffe wie Holz, Natursteinfliesen und recycelte Materialien verwendet. Ein Pilotprojekt, bei dem jedoch schnell klar wurde, dass man sich auch mit viel gutem Willen manchmal den natürlichen Gegegebenheiten unterordnen muss, wie Mike Winkler, Leiter Expansion und Einrichtungen bei Alnatura, berichtet.

Beispiel Holz: Der nachwachsende Rohstoff gilt vielfach als das nachhaltige Baumaterial schlechthin. Doch es darf nicht vergessen werden, dass auch heute dafür Wälder abgeholzt werden, um Massivholz zum Bauen verwenden zu können. Außerdem ist zu bedenken, dass immer auch ein materialgerechter Einsatz vorausgesetzt werden muss. So entsprechen beispielsweise organische Rohstoffe oft nicht den geforderten Hygieneanforderungen. „Dort, wo bei uns mit offenen Lebensmitteln gearbeitet wird, haben wir uns deshalb für Edelstahl entschieden, obwohl zur Herstellung dieses Materials mehr Energie gebraucht wird und es im nachhaltigen Vergleich zu Holz den Kürzeren zieht", erläutert Winkler. Auch die relativ leichte Brennbarkeit von Holz spielt eine Rolle, um sich in einigen exponierten Bereichen für ungefährlichere Baumaterialien zu entscheiden.

 Ein dritter Punkt, der bei der Wahl für einen Rohstoff eine Rolle spielt, ist die Belastbarkeit. Beispielsweise ist auf stark strapazierten Böden trotz Versiegelung dem Rohstoff Holz eine natürliche Grenze gesetzt. Ein anderes Problem war für Winkler die Beschichtung großer Flächen. „Hier wollten wir aus optischen Gründen auf kleine Terrakotta-Fliesen verzichten, strebten lieber einen Industrielook an und probierten aus nachhaltigen Gründen statt einer Beschichtung aus Kunstharz eine mineralische Beschichtung aus. Leider mussten wir die Erfahrung machen, dass sich dann leichter Risse bilden", erinnert sich Winkler. Vor ähnlichen Schwierigkeiten steht der Chef-Einrichter von Alnatura beim Thema Licht.

„Meiner Meinung nach ist die LED-Technik noch nicht ausgereift." Deshalb hat er sich in einem ersten Schritt dafür entschieden, die 70-Watt-Birnen gegen 35-Watt-Birnen auszutauschen und parallel den Leuchtenabstand zu vergrößern. Maßnahmen, die laut Winkler bereits enormes Energiesparpotenzial bergen. Doch bei allem Umweltbewusstsein könne Nachhaltigkeit natürlich nicht losgelöst von wirtschaftlichen Gesichtspunkten betrachtet werden. „Es hat beispielsweise keinen Sinn, in unseren gemieteten Filialen eine neue Gebäudeleittechnik zu installieren, die 500.000 Euro kostet, wenn damit lediglich Einsparungen von 500 Euro generiert werden können", fasst Winkler zusammen.

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