Freitag, 18. Mai 2012
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Fressnapf
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Imaginarium
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Joey's Pizza
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Subway
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T-Kom
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O2
Franchisesysteme

Prüfe, wer sich bindet

Wer sich für das Geschäftsmodell Franchising interessiert, sollte prüfen, welche Unternehmensphilosophie zur eigenen Persönlichkeit passt.
Text: Silke Bohrenfeld, 17. Oktober 2011
Sie ist nicht die typische Franchisenehmerin. Die Theaterwissenschaftlerin Elisabeth Mertes war 21 Jahre jung, als sie sich vor fünf Jahren entschloss, als Franchisenehmerin bei Joey’s Pizzaservice einzusteigen. „Da die beruflichen Perspektiven nach meinem Studium nicht sonderlich rosig waren, ich aber etwas machen musste, was Ertrag bringt, stand meine Entscheidung 2006 fest“, begründet die pragmatische junge Frau ihren Einsteig in die Franchisekette des Pizzalieferdienstes. Und sie hat es bis heute nicht bereut. Mittlerweile beschäftigt die Jungunternehmerin in ihrem 165 qm großen Geschäft fünf Auszubildende, zwei Betriebsleiter, fünf Vollzeitfahrer und etwa 15 bis 20 Aushilfen.

Vor allem die anfängliche Unterstützung des Franchisegebers hat sie in guter Erinnerung behalten: Schützenhilfe, durch die ihr einige böse Überraschungen erspart geblieben sind. „Joey’s Pizzaservice hat mich beispielsweise sehr gut in der Finanzierung beraten und mich sogar zum Bankgespräch begleitet“, erinnert sie sich. „Aber auch grundsätzlich kommt mir das Franchisesystem von Joey’s Pizzaservice sehr entgegen“, sagt Mertes. Sie hat die Hoheit bei Personalentscheidungen, kann mit ihren Mitarbeitern Gehaltsverhandlungen selbstständig führen, ihr Talent bei der Personalführung ausleben und Erfahrungen sammeln. „Während ich früher dem einen zu viel und dem anderen zu wenig vertraut habe, konnte ich mir über die Zeit eine ganz gute Menschenkenntnis aneignen.“ Auch bei den Öffnungszeiten hat sie Mitspracherecht. Der Franchisegeber legt bei all seinen Partnern zwar die Kernöffnungszeiten fest, aber der Franchisenehmer kann entscheiden, wie lange er sein Geschäft in der Nacht geöffnet lassen will. „Das ist von Standort zu Standort verschieden. Wir haben uns in der Studentenstadt Gießen nach mehreren Tests entschieden, samstags bis 24 Uhr zu öffnen“, sagt Elisabeth Mertes.

Außerdem legt der Franchisegeber das Ladenlayout, den Markenauftritt und die Außenwerbung fest und bestimmt die Lieferanten sowie die Produkte. „Ich habe das jedoch immer als Vorteil und Arbeitserleichterung genossen, da ich mich nicht selbst darum kümmern musste, sondern mich auf die operativen Aufgaben konzentrieren konnte“, sagt die junge Frau. Auch mit der Produktentwicklung hat sie nichts zu tun. „Momentan setzt Joey’s den Trend zur Nachbelegung der Pizza mit frischen Zutaten um und arbeitet an Pastagerichten“, sagt sie. Auch die vier- bis sechsmal im Jahr stattfindende Beratung durch den Betriebsberater und Seminare unter anderem zum Thema betriebswirtschaftliche Auswertungen der Joey’s Akademie empfindet sie als Hilfe, um Verbesserungspotenziale aufzudecken. Gegen die Zahlung einer einmaligen Lizenzgebühr und einer monatlichen prozentualen Umsatzbeteiligung an den Franchisegeber kann Mertes das erprobte Geschäftsmodell und die bekannte Marke von Joey’s Pizza mit all ihren Vorteilen in Anspruch nehmen.

Doch was von Elisabeth Mertes als Arbeitserleichterung empfunden wird, kann jemand anderes auch sehr schnell als massiven Eingriff in unternehmerische Freiheiten verstehen. Deshalb sollten Franchisenehmer, bevor sie sich für ein System entscheiden, prüfen, ob die Unternehmensphilosophie der Kette zur eigenen Persönlichkeit passt. Wenn sich Franchisenehmer für etablierte und große Franchiseketten entscheiden, ist das größte Problem meist die Betreuung, die oft relativ unpersönlich abläuft und nicht an die individuellen Bedürfnisse der Franchisenehmer angepasst ist. Außerdem ist der Einstieg in große und erfolgreiche Ketten meist sehr teuer und es gibt nicht mehr überall freie Standorte.

Aber auch der Einstieg in junge, neue Systeme birgt so manche Herausforderung für den Franchisenehmer. „Es fehlt den Franchisegebern oft die Erfahrung und es kann deshalb passieren, dass Entwicklungen forciert werden, die sich dann als falsch herausstellen“, berichtet Simone Bauer, die 2007 ihren ersten Mrs.-Sporty-Franchise-Sportclub eröffnet hat. Außerdem sei es für den Geber schwierig, die vielen engagierten Ideen der neuen Partner zu koordinieren. Bei schnell wachsenden Ketten kann es auch passieren, dass der Fokus zu sehr auf die Akquisition neuer Franchisenehmer gerichtet und die Betreuung älterer Partner vernachlässigt wird. Aber die positiven Erfahrungen von Simone Bauer beim Einsteig in die Sportkette haben solche Befürchtungen überwogen. Mrs. Sporty ist eine Sportclubkette für Frauen, die wenig Zeit haben. So können die Frauen bereits bei 30-minütigem Zirkeltraining ihre Muskulatur kräftigen und ihre Ausdauer verbessern.

Für Simone Bauer waren vor allem die Weiterbildungsangebote des Franchisegebers bei ihrer Entscheidung wichtig. „Da ich vor meinem Einstieg keinerlei sportlichen Background besaß, hat es mir vor allem geholfen, dass ich von Mrs. Sporty sowohl theoretisch als auch praktisch ausgebildet wurde“, sagt sie heute. Aber auch den Support bei der Werbung, bei Personal- und administrativen Fragen hat sie als positiv empfunden. Vor allem wenn man den Sprung aus einem Angestelltenverhältnis in die Selbstständigkeit wagen will, ist diese Art der Unterstützung wichtig. „Für mich war der Franchisepartner in dieser Situation immer die starke Hand“, sagt sie. Bauer begeistert aber auch, „dass man bei jungen Systemen stark in die Entwicklung des Unternehmens involviert ist und noch viel bewirken kann.“ Die Abläufe und Strukturen des Systems sind noch nicht so festgefahren und können flexibel und individuell an die Bedürfnisse der verschiedenen Partner angepasst w erden. „Beispielsweise sammeln wir in der Arbeit mit unseren Kunden Erfahrungen mit unserem Ernährungsprogramm, die wir diskutieren und das wird dann entsprechend optimiert“, sagt Bauer. „Grundsätzlich hat man, glaube ich, in jungen Systemen mehr Verantwortung und kann eigenständiger arbeiten“, meint Simone Bauer.

Natürlich kann einem auch ein junger Franchisegeber nicht alles abnehmen. Deshalb rät der Deutsche Franchiseverband (DFV), sich nicht blauäugig in das Abenteuer Franchising zu stürzen, sondern sich im Vorfeld möglichst viele Informationen über das Franchiseunternehmen seiner Wahl einzuholen. So sollte sich der Franchisenehmer über das entsprechende System informieren und sich beispielsweise eine Partnerfiliale vor Ort anschauen. Partnerwechsel, Standortschließungen, Filialisierung und Einkommen der Franchisenehmer sind ebenfalls Faktoren, an denen Franchisenehmer erkennen können, ob ein System erfolgreich arbeitet — oder nicht. Nach Untersuchungen des Instituts für Markenfranchise ist ein System dann sehr gut, wenn der Anteil der Standorte, an denen jährlich die Partner ausgewechselt werden, unter 10 Prozent liegt, und die Schließungsrate von Standorten weniger als 2 Prozent beträgt. Bei der Filialisierung wird als gut bewertet, wenn über die Hälfte der Partner mehr als einen Betrieb hat. Der Faktor Einkommen ist dann gut, wenn über 5 0 Prozent der Franchisenehmer mehr verdienen als sie erwartet haben.

Ein neuralgischer Punkt ist auch der Vertrag. Damit dem Franchise-nehmerhier keine Fehler unterlaufen, sollte der Franchisevertrag vor der Unterschrift von einem Anwalt geprüft und die Einkommensaussichten von einem Steuerberater nachgerechnet werden. Dazu können Beratungsgespräche für Unternehmensgründer bei der Industrie- und Handelskammer in Anspruch genommen werden. Von seriösen Franchiseanbietern bekommen interessierte Franchisenehmer auch eine realistische Rentabilitätsvorschau für den anvisierten Standort sowie Gebietsschutz zugesichert. Auch mit der Finanzierung sollte sich der Franchisenehmer ausführlich beschäftigen und vor allem nicht zu knapp rechnen. Ein kleiner Puffer kann hier nicht schaden. Denn oft sind es die nicht kalkulierten versteckten Kosten, die die Selbstständigkeit zu einem frühzeitigen Ende führen können. „In meinem Fall waren die Bauauflagen in Gießen sehr hart. Ich musste eine Stellplatzablöse zahlen, einen Fettabschnei der und eine Lüftungsanlage einbauen, die zu zusätzlichen Ausgaben geführt haben“, berichtet Elisabeth Mertes von ihrer Fehleinschätzung.

Der DFV bietet auf seiner Internetseite eine Checkliste, die zusammenfasst, welche Punkte vor der Vertragsunterzeichnung vom Franchisenehmer abgearbeitet werden sollten. Der Verband bietet seinen Mitgliedern aber auch eine Zertifizierung an. Alle drei Jahre werden im Systemcheck die Verträge, die Handbücher und die Leistungspakete der Geber überprüft und die Zufriedenheit der Nehmer abgefragt. Nur wer diesen Check besteht, kann Vollmitglied im Verband werden. Damit wurden dem potenziellen Franchisenehmer bereits einige Sorgen abgenommen.

Vertragsgestaltung



Die Unterschrift unter dem Franchisevertrag bildet die Grundlage für die partnerschaftliche Zusammenarbeit beider Franchiseparteien. Selbst wenn jedes Vertragswerk individuell auf das System zugeschnitten ist, gibt es zahlreiche Regelungen, die in allen Franchiseverträgen enthalten sein sollten. Worauf ein angehender Franchisenehmer hierbei achten sollte, kann er nun einer neuen Checkliste entnehmen: Ab sofort steht ein sechsseitiges Dokument, das der Deutsche Franchise-Verband e. V. (DFV) entwickelt hat, auf der DFV-Website unter www.franchiseverband.com/vertrag kostenlos und frei zugänglich zur Verfügung. Die Praxis zeigt, dass Vertragsverhandlungen für Franchisenehmer und Franchisegeber in der Regel komplex sind. Dabei wissen manche Franchisenehmer manchmal nicht genau, welche Aspekte der Vertrag beinhalten sollte. Die neue Checkliste soll helfen, diese Wissenslücken zu schließen. Hierzu erklärt Torben L. Brodersen, Geschäftsführer des DFV: „Auch wenn wir vom Verband empfehlen, jeden Vertragsentwurf von einem im Franchising erfahrenen Rechtsanwalt prüfen zu lassen, soll die Checkliste als ergänzender Service verstanden werden. Der DFV möchte in erster Linie angehenden Franchisenehmern auf dem Weg in die Selbstständigkeit eine klare und verständliche Orientierung bieten.“

Weiterbildung



  • Seit der Übernahme des Deutschen Franchise Instituts (DFI) durch den Deutschen Franchise Verband (DFV) stehen Umbau und strategische Weiterentwicklung der bedeutenden Schulungseinrichtung im Mittelpunkt: Ab sofort präsentiert sich das DFI zeitgemäß aufgestellt.
  • Das Seminarangebot wurde hinsichtlich aktueller Fragestellungen, Praxisnähe und Nutzen für die im Franchising agierenden Parteien konsequent optimiert.
  • Auch optisch gibt es eine Verbesserung, wie der Relaunch der Website www.franchise-institut.de — einschließlich der sogenannten Seminar-Bar für eigene (Weiter-)Bildungswünsche — zeigt.
  • Insgesamt positioniert sich der DFV gemeinsam mit dem DFI einmal mehr als klarer Vertreter für gute Weiterbildung und ein professionelles und zukunftsweisendes Franchising. „Eine gute Aus- und Weiterbildung ist maßgeblich für den dauerhaften Geschäftserfolg“, weiß Torben L. Brodersen, Geschäftsführer des DFV und des DFI. „Es gibt allerdings immer noch deutliche Niveau-Unterschiede, was Know-how und Erfahrung der verschiedenen Franchisesysteme angeht. Unser Ziel ist es, mit den neuen DFI-Angeboten diese Unterschiede auszugleichen.“
  • Mit dem Ausbau und der Weiterentwicklung des DFI geht es dem Verband aber nicht allein um die reine Wissensvermittlung. Denn oftmals hängt die Akzeptanz in der Öffentlichkeit eng mit dem Erfahrungsgrad eines Franchisesystems zusammen. Brodersen: „Es ist ein einfacher Dreiklang: Wissen schafft Professionalität und Professionalität stärkt die positive Wahrnehmung des Franchisings. Und an allen drei Aspekten sollte die gesamte Franchisewirtschaft großes Interesse haben.“

www.franchise-institut.de

Interview



Frauke Bielka berät Franchisenehmer bei der IHK Berlin.

Wie können sich Franchise-Unternehmen optimal auf einen Markteintritt vorbereiten?

Bevor man als Franchisegeber startet, sollte ausprobiert werden, ob die Idee im Markt funktioniert. So gibt ein Pilotgeschäft oft schon ausreichend Informationen. Gleichzeitig muss ein Handbuch erarbeitet werden, das Auskunft über Produkte, über die Ausstattung bis hin zu Begrüßungssätzen gibt. Das Handbuch ist das Herzstück des Unternehmens. Es sorgt dafür, dass alle Franchisefilialen den gleichen Standard haben und der Wiedererkennungseffekt beim Kunden einsetzt.

Wo sehen Sie Knackpunkte bei der Zusammenarbeit zwischen Franchisenehmern und –gebern?

Probleme gibt es immer dann, wenn die Kommunikation nicht stimmt. Außerdem braucht es Fingerspitzengefühl, das richtige Maß der Betreuung durch den Franchisegeber zu finden, damit sich der Franchisenehmer auf der einen Seite nicht bevormundet, aber auf der anderen Seite nicht vernachlässigt fühlt. Beim Franchise haben Franchisegeber und Franchisenehmer jeweils Rechte und Pflichten, denen beide Parteien nachkommen müssen.

Wann sollte man sich als Franchisenehmer für ein junges und wann für ein etabliertes Franchisesystem entscheiden?

Grundsätzlich sollte man sich bewusst sein, in welcher Branche man gründen möchte, ob die Unternehmenskultur des Franchisegebers zu einem passt und ob es in der Stadt, in der man gründen möchte, noch gutes Standortpotenzial gibt. Danach kann auf das Alter des Franchisesystems geguckt werden. Bei jungen Franchise-Unternehmen ist meist die Auswahl an Standorten größer. Außerdem kann eventuell die Möglichkeit bestehen, dass die Franchisenehmer an der Entwicklung teilhaben. Es gibt allerdings häufig noch keine große Bekanntheit im Markt. Diese muss erst erarbeitet werden. Bei etablierten Unternehmen ist die Marke bekannt und steht für einen bestimmten Standard. Allerdings sind bei etablierten Unternehmen vielleicht nicht mehr die Standorte vorhanden, die man gerne haben möchte.

www. berlin.ihk.de




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