Freitag, 18. Mai 2012
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Joachim Dünkelmann, BVJ: "Die Flucht in Sachwerte kommt der Branche zugute."
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Jürgen Dax, BTE: "Qualität und Authentizität werden wichtiger."
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Willy Fischel, BVT: "Mobile Commerce wächst."
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Stefan Genth, HDE: "Wir leben in und mit einer unsicheren Welt."
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Thomas Grothkopp, BBW: "Es gibt saisonale Schwankungen."
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Spätestens seit Erich Kästner wissen wir: Leben ist immer lebensgefährlich.
Trend 2012

Wird's besser? Wird's schlimmer?

Diese Fragen stellt sich die Branche alljährlich analog zu diesem berühmten Zitat von Erich Kästner. Aber wie sie beantworten?
Text: Andrea Kurtz, 06. Januar 2012
Lebensgefährlich wie bei Kästner sind die Erwartungen zwar nicht, aber außerordentlich unklar — angesichts von Eurokrise einerseits und stabilem privaten Konsum andererseits.

Das Ifo-Institut senkte kurz vor Weihnachten seine Prognose für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2012 auf 0,4 Prozent — und sofort fand sich das ZDF im Verbändehaus am Weidendamm ein, um HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth nach den Auswirkungen der Prognose auf den Handel zu befragen. Das Institut für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH) geht sogar nur von 0,3 Prozent aus; 0,5 Prozent erwartet das Hamburgische Weltwirtschafts-Institut (HWWI), 0,6 Prozent die Deutsche Bundesbank. Genth blieb nicht nur vor der Kamera gelassen. „Wir wissen aus unseren Umfragen, dass die Mitgliedsunternehmen derzeit kaum Auswirkungen einer allgemeinen Krisenstimmung spüren“, erläutert der Hauptgeschäftsführer. Ganz im Gegenteil: Die Prognose von 2 Prozent für das Gesamtjahr 2011 bleibt bestehen und auch für das neue Jahr erwartet der Verband eine stabile bis positive Entwicklung — auch wenn die genauen Zahlen für 2011 erst Ende des Monats vorliegen werden. „Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass der Verbraucher 2012 anders einkauft und konsumiert als bisher“, sagt Genth. Eine leichte Steigerung der Löhne und Gehälter zeige schon jetzt Wirkung, ebenso wie die weiter sinkende Arbeitslosenrate. Auch die GfK spricht von einer positiven Arbeitsmarkt- und Lohnentwicklung; um 2 Prozent werde diese wachsen. „2012 werden die Deutschen nominal rund 400 Euro pro Kopf mehr für ihre Ausgaben zur Verfügung haben als im Jahr 2011“, hat auch die Gesellschaft für Konsumgüterforschung (GfK) Ende des Jahres prognostiziert. Eine Kaufkraftsumme der Deutschen von über 1,6 Mrd. Euro sagen die Forscher voraus; jedem Bundesbürger würden danach im Durchschnitt 20.014 Euro für Konsum, Miete oder andere Lebenshaltungskosten zur Verfügung stehen. Das entspricht 413 Euro mehr pro Kopf und bundesweit einem Plus von 32,8 Mrd. Euro gegenüber dem Jahr 2011. Dazu komme, erläutert Genth weiter, dass durch die weltweit kriselige Stimmung die Rohstoffpreise, die in den vergangenen beiden Jahren zu höheren Preisen gerade im Bereich Lebensmittel geführt hatten, wieder sinken. „Das ist erfreulich für den Verbraucher und natürlich für unsere Handelsunternehmen“, sagt der Hauptgeschäftsführer.

Doch was ist mit der Krise? „Wäre nicht die Staatsschulden-Krise im Euroraum, könnte man von einem weitgehend intakten Umfeld für den Einzelhandel sprechen“, betont auch HDE-Präsident Josef Sanktjohanser. „Wir sehen ganz klar die Eurokrise als das größte Risiko für weiteres Wachstum.“ Im Augenblick seien die Rahmenbedingungen für den Einzelhandel aber stabil: „Die Stimmung ist schlechter als die tatsächliche Lage“, analysiert Genth. Das gelte in erster Linie für den Verbraucher. „Eine Veränderung des Kundenverhaltens wegen der Eurokrise ist nicht festzustellen“, bestätigt Jürgen Dax. „Es klingt vermessen zu sagen, wir haben die Krise gar nicht als Krise wahrgenommen“, ergänzt auch Werner Haizmann. „Es trifft aber zu, denn das Einkaufsverhalten unserer Kunden hat uns die in den Medien spürbare Krisenstimmung nicht merken lassen.“ Ähnliches ist übrigens nicht nur aus dem Handel zu hören, auch die Industrie sieht keine Krisenstimmung beim Verbraucher. ?? ?Viele Konjunkturprognosen sind mit Vorsicht zu genießen; ich erwarte keinen Rückfall in eine Rezession“, sagt beispielsweise Claus-Dietrich Lahrs, Vorstandsvorsitzender von Hugo Boss. „Die Konsumenten haben sich mittlerweile an die Schuldenkrise gewöhnt und können damit leben.“ Er belegt das am Beispiel Spanien: Dies sei ein schwieriger Markt, für Hugo Boss aber laufe es gut. Es scheine, als ob sich die Finanzwirtschaft von der Realwirtschaft abkoppele, meint dazu Hans Strothoff, Präsident des Bundesverbands des Deutschen Möbel- und Einrichtungsfachhandels (BVDM) und Inhaber der MHK Group. Der Verbraucher erfahre diese Parallelität: „Einerseits der entgeisterte Blick der Menschen auf die turbulenten Finanzmärkte, welche den Staaten einen gigantischen Rettungsbedarf an Euros auferlegen, andererseits erleben dieselben Menschen als Konsumenten im Handel verlockende Angebote zu soliden Preisen und ordentlichen Konditionen“, erläutert er. „Kunden nehmen einen Euro wahr, der zum einen erdrut schartig an Vertrauen verliert, ihnen zum anderen einen hohen Gegenwert verschafft.“ Mit dieser gespaltenen Realität müsse die Branche leben.

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