Initiativen
Fünf Projekte für eine bessere Welt
Eine beeindruckende Vielfalt an Aktivitäten haben Fairhandelsorganisationen in den vergangenen Jahren entwickelt.
Text: Nicole Ritter,
15. August 2011
Der Faire Handel, wie wir ihn heute kennen, hat eine lange Geschichte. Organisationen wie die Gepa oder Banafair sind aus den Solidaritätsbewegungen für die sogenannte Dritte Welt entstanden, die versuchten, in den ersten „Dritte-Welt-Läden“, in Kirchen und auf alternativen Märkten Handelsformen zu finden, die nicht den Regeln der Ausbeutung und Gewinnmaximierung gehorchen sollten, sondern denen der Gerechtigkeit und Solidarität.
Dass Produkte mit den Siegeln des Fairen Handels heute in jedem Supermarkt zu finden sind, ist der Beharrlichkeit und dem Engagement derjenigen zu verdanken, die in den Pionierjahren des Fairen Handels die Kontakte zu den Produzenten von Kaffee und Tee, Bananen und Kakao, Reis und Mais aufbauten und mutig die Gesetze der Weltmärkte durchbrachen. Ohne sie gäbe es heute keinen Transfair-Kaffee beim Discounter und keine Bio-Bananen im Supermarkt.
Was in der großindustriellen Lebensmittelproduktion heute in Nachhaltigkeitsprojekten und CSR-Initiativen erst wieder mühsam etabliert wird, betreiben Fairhandelsorganisationen von Anbeginn ihres Bestehens: Sie schauen genau hin, wie es um die Lebens- und Arbeitsbedingungen der produzierenden Menschen steht. Vor welchen sozialen, politischen, ökonomischen und ökologischen Problemen sie stehen. Sie leben langfristige Beziehungen und zahlen faire Preise für hochwertige Arbeit. Es sind die Prämien, die für Fairtrade-Produkte von Importeuren, Händlern und letztlich Konsumenten zusätzlich zu den Marktpreisen bezahlt werden, die diese Welt besser machen. Die Kooperativen und Produzentengemeinschaften in den Entwicklungs- und Schwellenländern in die Lage versetzen, eine eigene Infrastruktur zu schaffen, Umweltschutzmaßnahmen zu ergreifen, für Bildung und Gesundheitsversorgung aufzukommen.
Die ausgewählten Personen und Projekte auf den folgenden Seiten stehen exemplarisch für die Regionen, Problemfelder und Hoffnungsschimmer, die den Fairen Handel weltweit ausmachen. Es sind Menschen, die mit Hingabe und oft unter schwierigen Lebens- und Arbeitsbedingungen für uns Exotisches produzieren, was wir als allzu selbstverständlich zu billigsten Preise konsumieren wollen. Sie haben unsere Solidarität verdient — für eine bessere Welt.
Olivenöl aus Palästina
„Ich sorge immer gut für meine Bäume, egal, ob es ein gutes oder ein schlechtes Jahr ist.“ Abu ’Asim ist in seinem Dorf ’Asira al Shamaliya in Palästina für seine Plantage bekannt: Die Olivenbäume, die immer Früchte tragen, das sind seine. „Geduld, Ausdauer und Beständigkeit“ sind die Tugenden des Landwirts, der jedes Jahr tausende von Oliven mit der Hand pflückt. „Ich sorge mit Hingabe für meine Bäume“ sagt er, doch Hingabe allein sichert die Existenz seiner Familie nicht.
Durch die Zusammenarbeit mit der Fairtrade-Initiative „Canaan Fair Trade“ hat sich das geändert: Zwei Söhne haben bereits einen College-Abschluss, die Tochter beendet bald die Schule. Abu ’Asim kann in Dünger, Wasser und Gerät investieren. „Für Canaan gilt: Fairer Handel ist mehr als das Zahlen eines fairen Preises“, sagt der Gründer der Organisation, Nasser Abufarha. „Wir zahlen Aufschläge, leisten intensive Beratung und investieren in die Gemeinden.“ In der Hälfte der 43 angeschlossenen Kooperativen pflanzt die Organisation jedes Jahr rund 10.000 junge Olivenbäumchen. So erhalten die in einer politisch festgefahrenen und wirtschaftlich schwierigen Lage gefangenen palästinensischen Familien neue Perspektiven. „Den Olivenbaum als Symbol der Hoffnung und des Friedens gilt es für uns zu nutzen“, sagt Nasser Abufarha, „für ein neues, gewaltfreies, aufstrebendes und selbstständiges Palästina.“
Olivenbauer Abu ’Asim würde sein Öl keiner anderen Organisation verkaufen. „Es ist mir wichtig, mit Leuten zusammenzuarbeiten, denen ich vertrauen kann“, sagt er. „Ich trage meinen Teil dazu bei und gebe mein Bestes.“ Und auch, wenn er als eines der Vorbilder der palästinensischen Landwirtschaft gilt, bleibt er ganz bei sich: „Ich will nicht, dass Leute mein Öl kaufen, weil es aus Palästina kommt. Ich will, dass sie es kaufen, weil es das beste ist.“ Deutsche Fairtrade-Kunden kommen in den Genuss seiner bäuerlichen Hingabe, wenn sie Produkte der Marke „Weltpartner“ der Fairhandels-Organisation dwp kaufen.
www.dwpeg.de
Rosen aus Kenia
Wer wie Sharon Chaptoo auf der Blumenfarm Ravine Roses arbeiten kann, ist für kenianische Verhältnisse äußerst privilegiert: Nach der Geburt ihrer zweiten Tochter, die jetzt vier Monate alt ist, muss sie zwei Stunden weniger arbeiten, und bekommt trotzdem den vollen Lohn. Sie hat das Recht auf drei Monate Elternzeit, die nicht auf ihren Urlaub angerechnet wird. Und auch danach weiß sie ihr Kind gut versorgt: „Sie wird in die Kindertagesstätte gehen, die gerade mit Hilfe der Gelder aus der Fairtrade-Prämie gebaut wird. In drei Monaten wird sie fertig gestellt“, berichtet die 23-jährige Rosenpflückerin.
Ravine Roses beschäftigt 900 Angestellte, deren Lohn weit über dem kenianischen Mindestlohn liegt. 1997 wurde die Farm gegründet, um Arbeitsplätze in der 300 km westlich der Hauptstadt Nairobi gelegenen Region zu schaffen. Seit 2005 ist die Farm Fairtrade-zertifiziert. „Wir erhalten eine bessere Bezahlung für unsere Rosen, die wir zu Fairtrade-Bedingungen verkaufen und wir hoffen, dass wir auch in Zukunft noch mehr Rosen unter diesen Bedingungen verkaufen können“, sagt Caleb Kistoo, der bei Ravine Roses für das Personal und Fairtrade zuständig ist, „Dann erhalten wir auch höhere Fairtrade-Prämien, die wir in Gemeinschaftsprojekte investieren können.
Die Prämie floss in den vergangenen Jahren zum Beispiel in die Gesundheitsversorgung, es gab Projekte zur Familienplanung, HIV-Tests und Impfungen für die Kinder. Die Bildung der Angestellten und der Bevölkerung in der Region ist ein weiterer Investitionsschwerpunkt: Fahrstunden und Computerkurse konnten dank der Fairtrade-Prämien bezahlt werden. Künftig soll noch mehr Geld in Umweltschutzmaßnahmen und in das Bewässerungssystem fließen, und das Ravine-Fairtrade-Komitee möchte einen Brunnen bauen, der auch die Bevölkerung der Region mit Wasser versorgt. So können die deutschen Käufer der Rosen mit dem Transfair-Label sich guten Gewissens an frischen Blumen erfreuen.
www.fairtrade-deutschland.de
Schmuck aus Indien
Asha heißt Hoffnung — und die beiden jungen Inderinnen Farhat Di (links) und Ameena Parveen (rechts), sind voll davon. Sie arbeiten in der Schmuckwerkstatt von Mohammed Talib in Sarai Tareen im indischen Bundestaat Uttar Pradesh. Der fünftgrößte Landesteil zwischen Himalaya und Ganges ist eine der ärmsten und bevölkerungsreichsten Regionen des Subkontinents. Hoffnung können die Menschen dort also gut gebrauchen. 1975 gründeten christliche Initiativen die Exportorganisation Asha mit dem Ziel, sozial benachteiligten Kunsthandwerkern nachhaltige Einkommensmöglichkeiten zu verschaffen. 33 Mitarbeiter in Mumbai koordinieren die Kooperation von rund 500 Kunsthandwerkern in 50 Produzentengruppen.
Auch Mohammed Talib arbeitet mit Asha zusammen, und die beiden Frauen sind sehr glücklich darüber. Armeena Taveen ist mit dem Manufakturbesitzer verheiratet und berichtet stolz, dass ihre drei Kinder dank der fairen Preise, die ihr Mann für ihre Halsketten und Armbänder bekommt, in eine bessere Mittelschule mit Englischunterricht gehen können. „Gute Englischkenntnisse sind wichtig, um später gute Jobs zu bekommen“, sagt sie. „Ich möchte unseren Kunden danken. Sie haben mir geholfen, meinen Kindern eine bessere Zukunft zu schaffen.“
Die 22-jährige Farhat Di kann mit dem Geld, das sie verdient, ihr Studium finanzieren. „Ich mache jetzt meinen Master in Erziehungswissenschaft und Englischer Literatur“, berichtet sie. „Der Faire Handel gibt mir die Möglichkeit, meinen Traum zu verwirklichen und mein Studium abzuschließen.“
Deutscher Handelspartner von Asha ist die Fairtrade-Organisation El Puente. „Die Brücke“, wie der Name der Organisation übersetzt heißt, arbeitet direkt mit den Projektpartner in Entwicklungsländern zusammen und begleitet den Welthandel mit Bildungs- und Informationsarbeit. Die zinsfreier Vorfinanzierung ist ein wesentlicher Baustein der ihrer Arbeit.
www.el-puente.de
Bananen aus Ecuador
„Auf meinem Acker wachsen Bananen, Kakao, Gemüse und viele Bäume, alles schön gemischt“, erzählt Benjamin Parrales von der Kooperative Urocal stolz. Mischanbau und Agroforst: So wie Parrales in der Küstenregion von Ecuador Landwirtschaft betreibt, entspricht es genau den Anforderungen des Anbauverbands Naturland. Bodendecker und eine bodenschonende Arbeitsweise schützen vor Unkraut und Erosion. 120 Familien in der Küstenregion zwischen Guayaquil und Machala leben und wirtschaften nach den Regeln des ökologischen Landbaus und tragen so zum Schutz des empfindlichen Ökosystems der Tropen bei.
So zufrieden wie Parrales waren die Bauern von Urocal nicht immer: Der Kampf um brachliegendes Land, die Vertreibung durch das Militär und Landbesetzungen im Zuge einer Agrarreform prägen die Landbauernvereinigung seit ihrer Gründung in den 1970er-Jahren. Seit 1998 ist die Fairhandels-Organisation Banafair wichtigster Handelspartner von Urocal. Die Mehreinnahmen durch die Fairhandels-Prämien schaffen die Basis für gemeinsame Aktivitäten wie medizinische Grundversorgung, Kinderbetreuung oder auch Fachtagungen zum Bananenmarkt oder der Agrarpolitik. Besonderes Augenmerk legt Urocal auf die Ernährungssicherung. Kinder sind in den Armenvierteln häufig chronisch fehl- oder unterernährt, auch auf dem Land. Wurzelgemüse, Kochbananen, Zitrusfrüchte: Der ökologische Mischanbau verschafft den Bauern die Grundlage, nicht nur die Ernährung der eigenen Familie zu sichern, sondern auch die Einkommenssituation durch marktorientierte Produkte zu verbessern. Joaquín Vásquez, Präsident von Ur ocal, beschreibt die Zukunftsstrategie so: „Wir setzen auf Diversifizierung und Ökologisierung, um auf dieser Basis ein neues Modell einer solidarischen Ökonomie zu entwickeln.“ Die Zusammenarbeit mit Banafair sichert diesen Ansatz ab: „Wir brauchen Freunde, die uns politisch unterstützen und bereit sind, einen angemessenen Preis zu zahlen. Diese Freunde haben wir im Fairen Handel gefunden.“
www.banafair.de
Kaffee aus Mexiko
Alonso Velasco Guzman und zwei seiner neun Kinder. Die Familie lebt unter primitivsten Bedingungen in der Tierra Colorada, nur 20 km Luftlinie entfernt von der mexikanischen Millionenstadt Tuxtla Gutierrez. Seit ihr Land in den 1980er-Jahren zum Nationalpark erklärt wurde, gelten die Indianer rund um den Canyon Sumidero als illegale Siedler. 42 Kaffeebauern leben hier mit ihren Familien. Die Nationalparkverwaltung möchte sie loswerden, versucht, sie auszuhungern, verwehrt die Versorgung mit Strom und Wasser, lässt weder Ärzte noch Baumaterial die Grenzen des Nationalparks passieren. Niemand soll im Nationalpark leben, so lautet die gesetzliche Regelung.
„Das Dorf ist unsere Heimat“, sagt der 49-jährige Guzman. Seine Eltern haben das Land einst gekauft, er hat Papiere. Doch die Eltern konnten nicht richtig lesen und schreiben, und sie sprachen auch nicht richtig Spanisch. Ein Grundbucheintrag fehlt. Lediglich die Zugehörigkeit zur Kooperative San Fernando schützt die Bauern. Es ist eine große Kooperative, mit 1.000 Mitgliedern, und ihr Anwalt konnte nachweisen, dass die Bauern im Nationalpark einen wertvollen Beitrag zum Umweltschutz leisten: „Wir achten auf Artenvielfalt, pflanzen Schattenbäume und lassen das Unterholz stehen“, erklärt Alonso Guzman. Vögel bauen ihre Nester auf den Kaffeeplantagen, auf denen ausschließlich Bio-Kaffee wächst und weder chemischer Dünger noch Pestizide zum Einsatz kommen.
Die Kooperative San Fernando verkauft den Kaffee an die Fairtrade-Organisation Gepa, die nicht nur höhere Rohstoffpreise zahlt, sondern einen Aufschlag für den Bio-Anbau direkt an die Bauern. Die Kooperative ermöglicht Stipendien für Schulen und Universitäten, gewährt Kredite und eine Lebensversicherung. „Ich hoffe, dass es meinen Kindern gelingt, richtige Berufe zu erlernen“, sagt Kaffeebauer Guzman. „Dann werden sie nicht in ständiger Angst vor Vertreibung hier ausharren müssen, sondern in Frieden leben.“
www.gepa.de
Dass Produkte mit den Siegeln des Fairen Handels heute in jedem Supermarkt zu finden sind, ist der Beharrlichkeit und dem Engagement derjenigen zu verdanken, die in den Pionierjahren des Fairen Handels die Kontakte zu den Produzenten von Kaffee und Tee, Bananen und Kakao, Reis und Mais aufbauten und mutig die Gesetze der Weltmärkte durchbrachen. Ohne sie gäbe es heute keinen Transfair-Kaffee beim Discounter und keine Bio-Bananen im Supermarkt.
Was in der großindustriellen Lebensmittelproduktion heute in Nachhaltigkeitsprojekten und CSR-Initiativen erst wieder mühsam etabliert wird, betreiben Fairhandelsorganisationen von Anbeginn ihres Bestehens: Sie schauen genau hin, wie es um die Lebens- und Arbeitsbedingungen der produzierenden Menschen steht. Vor welchen sozialen, politischen, ökonomischen und ökologischen Problemen sie stehen. Sie leben langfristige Beziehungen und zahlen faire Preise für hochwertige Arbeit. Es sind die Prämien, die für Fairtrade-Produkte von Importeuren, Händlern und letztlich Konsumenten zusätzlich zu den Marktpreisen bezahlt werden, die diese Welt besser machen. Die Kooperativen und Produzentengemeinschaften in den Entwicklungs- und Schwellenländern in die Lage versetzen, eine eigene Infrastruktur zu schaffen, Umweltschutzmaßnahmen zu ergreifen, für Bildung und Gesundheitsversorgung aufzukommen.
Die ausgewählten Personen und Projekte auf den folgenden Seiten stehen exemplarisch für die Regionen, Problemfelder und Hoffnungsschimmer, die den Fairen Handel weltweit ausmachen. Es sind Menschen, die mit Hingabe und oft unter schwierigen Lebens- und Arbeitsbedingungen für uns Exotisches produzieren, was wir als allzu selbstverständlich zu billigsten Preise konsumieren wollen. Sie haben unsere Solidarität verdient — für eine bessere Welt.
dwp
Olivenöl aus Palästina
„Ich sorge immer gut für meine Bäume, egal, ob es ein gutes oder ein schlechtes Jahr ist.“ Abu ’Asim ist in seinem Dorf ’Asira al Shamaliya in Palästina für seine Plantage bekannt: Die Olivenbäume, die immer Früchte tragen, das sind seine. „Geduld, Ausdauer und Beständigkeit“ sind die Tugenden des Landwirts, der jedes Jahr tausende von Oliven mit der Hand pflückt. „Ich sorge mit Hingabe für meine Bäume“ sagt er, doch Hingabe allein sichert die Existenz seiner Familie nicht.
Durch die Zusammenarbeit mit der Fairtrade-Initiative „Canaan Fair Trade“ hat sich das geändert: Zwei Söhne haben bereits einen College-Abschluss, die Tochter beendet bald die Schule. Abu ’Asim kann in Dünger, Wasser und Gerät investieren. „Für Canaan gilt: Fairer Handel ist mehr als das Zahlen eines fairen Preises“, sagt der Gründer der Organisation, Nasser Abufarha. „Wir zahlen Aufschläge, leisten intensive Beratung und investieren in die Gemeinden.“ In der Hälfte der 43 angeschlossenen Kooperativen pflanzt die Organisation jedes Jahr rund 10.000 junge Olivenbäumchen. So erhalten die in einer politisch festgefahrenen und wirtschaftlich schwierigen Lage gefangenen palästinensischen Familien neue Perspektiven. „Den Olivenbaum als Symbol der Hoffnung und des Friedens gilt es für uns zu nutzen“, sagt Nasser Abufarha, „für ein neues, gewaltfreies, aufstrebendes und selbstständiges Palästina.“
Olivenbauer Abu ’Asim würde sein Öl keiner anderen Organisation verkaufen. „Es ist mir wichtig, mit Leuten zusammenzuarbeiten, denen ich vertrauen kann“, sagt er. „Ich trage meinen Teil dazu bei und gebe mein Bestes.“ Und auch, wenn er als eines der Vorbilder der palästinensischen Landwirtschaft gilt, bleibt er ganz bei sich: „Ich will nicht, dass Leute mein Öl kaufen, weil es aus Palästina kommt. Ich will, dass sie es kaufen, weil es das beste ist.“ Deutsche Fairtrade-Kunden kommen in den Genuss seiner bäuerlichen Hingabe, wenn sie Produkte der Marke „Weltpartner“ der Fairhandels-Organisation dwp kaufen.
www.dwpeg.de
Transfair
Rosen aus Kenia
Wer wie Sharon Chaptoo auf der Blumenfarm Ravine Roses arbeiten kann, ist für kenianische Verhältnisse äußerst privilegiert: Nach der Geburt ihrer zweiten Tochter, die jetzt vier Monate alt ist, muss sie zwei Stunden weniger arbeiten, und bekommt trotzdem den vollen Lohn. Sie hat das Recht auf drei Monate Elternzeit, die nicht auf ihren Urlaub angerechnet wird. Und auch danach weiß sie ihr Kind gut versorgt: „Sie wird in die Kindertagesstätte gehen, die gerade mit Hilfe der Gelder aus der Fairtrade-Prämie gebaut wird. In drei Monaten wird sie fertig gestellt“, berichtet die 23-jährige Rosenpflückerin.
Ravine Roses beschäftigt 900 Angestellte, deren Lohn weit über dem kenianischen Mindestlohn liegt. 1997 wurde die Farm gegründet, um Arbeitsplätze in der 300 km westlich der Hauptstadt Nairobi gelegenen Region zu schaffen. Seit 2005 ist die Farm Fairtrade-zertifiziert. „Wir erhalten eine bessere Bezahlung für unsere Rosen, die wir zu Fairtrade-Bedingungen verkaufen und wir hoffen, dass wir auch in Zukunft noch mehr Rosen unter diesen Bedingungen verkaufen können“, sagt Caleb Kistoo, der bei Ravine Roses für das Personal und Fairtrade zuständig ist, „Dann erhalten wir auch höhere Fairtrade-Prämien, die wir in Gemeinschaftsprojekte investieren können.
Die Prämie floss in den vergangenen Jahren zum Beispiel in die Gesundheitsversorgung, es gab Projekte zur Familienplanung, HIV-Tests und Impfungen für die Kinder. Die Bildung der Angestellten und der Bevölkerung in der Region ist ein weiterer Investitionsschwerpunkt: Fahrstunden und Computerkurse konnten dank der Fairtrade-Prämien bezahlt werden. Künftig soll noch mehr Geld in Umweltschutzmaßnahmen und in das Bewässerungssystem fließen, und das Ravine-Fairtrade-Komitee möchte einen Brunnen bauen, der auch die Bevölkerung der Region mit Wasser versorgt. So können die deutschen Käufer der Rosen mit dem Transfair-Label sich guten Gewissens an frischen Blumen erfreuen.
www.fairtrade-deutschland.de
El Puente
Schmuck aus Indien
Asha heißt Hoffnung — und die beiden jungen Inderinnen Farhat Di (links) und Ameena Parveen (rechts), sind voll davon. Sie arbeiten in der Schmuckwerkstatt von Mohammed Talib in Sarai Tareen im indischen Bundestaat Uttar Pradesh. Der fünftgrößte Landesteil zwischen Himalaya und Ganges ist eine der ärmsten und bevölkerungsreichsten Regionen des Subkontinents. Hoffnung können die Menschen dort also gut gebrauchen. 1975 gründeten christliche Initiativen die Exportorganisation Asha mit dem Ziel, sozial benachteiligten Kunsthandwerkern nachhaltige Einkommensmöglichkeiten zu verschaffen. 33 Mitarbeiter in Mumbai koordinieren die Kooperation von rund 500 Kunsthandwerkern in 50 Produzentengruppen.
Auch Mohammed Talib arbeitet mit Asha zusammen, und die beiden Frauen sind sehr glücklich darüber. Armeena Taveen ist mit dem Manufakturbesitzer verheiratet und berichtet stolz, dass ihre drei Kinder dank der fairen Preise, die ihr Mann für ihre Halsketten und Armbänder bekommt, in eine bessere Mittelschule mit Englischunterricht gehen können. „Gute Englischkenntnisse sind wichtig, um später gute Jobs zu bekommen“, sagt sie. „Ich möchte unseren Kunden danken. Sie haben mir geholfen, meinen Kindern eine bessere Zukunft zu schaffen.“
Die 22-jährige Farhat Di kann mit dem Geld, das sie verdient, ihr Studium finanzieren. „Ich mache jetzt meinen Master in Erziehungswissenschaft und Englischer Literatur“, berichtet sie. „Der Faire Handel gibt mir die Möglichkeit, meinen Traum zu verwirklichen und mein Studium abzuschließen.“
Deutscher Handelspartner von Asha ist die Fairtrade-Organisation El Puente. „Die Brücke“, wie der Name der Organisation übersetzt heißt, arbeitet direkt mit den Projektpartner in Entwicklungsländern zusammen und begleitet den Welthandel mit Bildungs- und Informationsarbeit. Die zinsfreier Vorfinanzierung ist ein wesentlicher Baustein der ihrer Arbeit.
www.el-puente.de
Banafair
Bananen aus Ecuador
„Auf meinem Acker wachsen Bananen, Kakao, Gemüse und viele Bäume, alles schön gemischt“, erzählt Benjamin Parrales von der Kooperative Urocal stolz. Mischanbau und Agroforst: So wie Parrales in der Küstenregion von Ecuador Landwirtschaft betreibt, entspricht es genau den Anforderungen des Anbauverbands Naturland. Bodendecker und eine bodenschonende Arbeitsweise schützen vor Unkraut und Erosion. 120 Familien in der Küstenregion zwischen Guayaquil und Machala leben und wirtschaften nach den Regeln des ökologischen Landbaus und tragen so zum Schutz des empfindlichen Ökosystems der Tropen bei.
So zufrieden wie Parrales waren die Bauern von Urocal nicht immer: Der Kampf um brachliegendes Land, die Vertreibung durch das Militär und Landbesetzungen im Zuge einer Agrarreform prägen die Landbauernvereinigung seit ihrer Gründung in den 1970er-Jahren. Seit 1998 ist die Fairhandels-Organisation Banafair wichtigster Handelspartner von Urocal. Die Mehreinnahmen durch die Fairhandels-Prämien schaffen die Basis für gemeinsame Aktivitäten wie medizinische Grundversorgung, Kinderbetreuung oder auch Fachtagungen zum Bananenmarkt oder der Agrarpolitik. Besonderes Augenmerk legt Urocal auf die Ernährungssicherung. Kinder sind in den Armenvierteln häufig chronisch fehl- oder unterernährt, auch auf dem Land. Wurzelgemüse, Kochbananen, Zitrusfrüchte: Der ökologische Mischanbau verschafft den Bauern die Grundlage, nicht nur die Ernährung der eigenen Familie zu sichern, sondern auch die Einkommenssituation durch marktorientierte Produkte zu verbessern. Joaquín Vásquez, Präsident von Ur ocal, beschreibt die Zukunftsstrategie so: „Wir setzen auf Diversifizierung und Ökologisierung, um auf dieser Basis ein neues Modell einer solidarischen Ökonomie zu entwickeln.“ Die Zusammenarbeit mit Banafair sichert diesen Ansatz ab: „Wir brauchen Freunde, die uns politisch unterstützen und bereit sind, einen angemessenen Preis zu zahlen. Diese Freunde haben wir im Fairen Handel gefunden.“
www.banafair.de
Gepa
Kaffee aus Mexiko
Alonso Velasco Guzman und zwei seiner neun Kinder. Die Familie lebt unter primitivsten Bedingungen in der Tierra Colorada, nur 20 km Luftlinie entfernt von der mexikanischen Millionenstadt Tuxtla Gutierrez. Seit ihr Land in den 1980er-Jahren zum Nationalpark erklärt wurde, gelten die Indianer rund um den Canyon Sumidero als illegale Siedler. 42 Kaffeebauern leben hier mit ihren Familien. Die Nationalparkverwaltung möchte sie loswerden, versucht, sie auszuhungern, verwehrt die Versorgung mit Strom und Wasser, lässt weder Ärzte noch Baumaterial die Grenzen des Nationalparks passieren. Niemand soll im Nationalpark leben, so lautet die gesetzliche Regelung.
„Das Dorf ist unsere Heimat“, sagt der 49-jährige Guzman. Seine Eltern haben das Land einst gekauft, er hat Papiere. Doch die Eltern konnten nicht richtig lesen und schreiben, und sie sprachen auch nicht richtig Spanisch. Ein Grundbucheintrag fehlt. Lediglich die Zugehörigkeit zur Kooperative San Fernando schützt die Bauern. Es ist eine große Kooperative, mit 1.000 Mitgliedern, und ihr Anwalt konnte nachweisen, dass die Bauern im Nationalpark einen wertvollen Beitrag zum Umweltschutz leisten: „Wir achten auf Artenvielfalt, pflanzen Schattenbäume und lassen das Unterholz stehen“, erklärt Alonso Guzman. Vögel bauen ihre Nester auf den Kaffeeplantagen, auf denen ausschließlich Bio-Kaffee wächst und weder chemischer Dünger noch Pestizide zum Einsatz kommen.
Die Kooperative San Fernando verkauft den Kaffee an die Fairtrade-Organisation Gepa, die nicht nur höhere Rohstoffpreise zahlt, sondern einen Aufschlag für den Bio-Anbau direkt an die Bauern. Die Kooperative ermöglicht Stipendien für Schulen und Universitäten, gewährt Kredite und eine Lebensversicherung. „Ich hoffe, dass es meinen Kindern gelingt, richtige Berufe zu erlernen“, sagt Kaffeebauer Guzman. „Dann werden sie nicht in ständiger Angst vor Vertreibung hier ausharren müssen, sondern in Frieden leben.“
www.gepa.de
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