Freitag, 18. Mai 2012
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Mitarbeiter

Faktor Mensch

Fachkräftemangel? Schnelle Karrieren? Zu wenig Auszubildende? Zu viele Teilzeitjobs? Zunehmende Arbeitsanforderungen? Eine gute Personalarbeit muss Antworten auf viele Fragen finden.
Text: Andrea Kurtz, 17. Juni 2011
Weniger als 3 Mio. Arbeitslose in Deutschland — das zählten die Statistiker im Mai. Im Herbst, so rechnen die Prognostiker bereits aus, kann die sonst so gefürchtete Rate sogar weiter absinken — auf 2,6 Mio. Der Aufschwung sei dafür verantwortlich, sagen die Ökonomen. Die Unternehmen investieren, der Konsum läuft. Mitarbeiter sind gefragt; offene Stellen werden rar. Der Einzelhandel hat einen gehörigen Anteil daran. Allein im vergangenen Jahr wurden über 30.000 neue Arbeitsplätze geschaffen; das sind plus 1,1 Prozent. Nach den neuesten Zahlen der Bundesagentur für Arbeit beschäftigt die Branche über 2,9 Mio. Mitarbeiter. Über 2 Mio. davon sozialversicherungspflichtig (plus 22.000). Die Zahl der Minijobs ist um 10.575 auf 938.067 gestiegen.

„Der Zuwachs der Beschäftigung ist vor allem dem Lebensmitteleinzelhandel zu verdanken. Er hat sich zum Jobmotor der Branche entwickelt", erläutert dazu HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Auch die Ausweitung der gesetzlichen Ladenöffnungszeiten habe in seinen Augen dazu beigetragen, denn gerade der Lebensmittelhandel nutze diese Möglichkeiten, um seine Öffnungszeiten den Wünschen seiner Kunden entsprechend anzupassen und zu erweitern. Auch Genth sieht die weitere Entwicklung positiv. „Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass die Handelsunternehmen ihre Mitarbeiterzahl weiterhin stabil halten wollen."

Die Mitarbeiter sind für den Handel mehr als ein Indikator für gute Geschäfte. „So sehr der Einzelhandel auf neue Technologien und Medien setzt, noch immer sind es die Mitarbeiter, die sein Gesicht prägen", sagte Genth auf der HDE-Fachtagung Personal (s. S. 48), auf der die komplexen und auch mitunter kritischen Aspekte der Personalarbeit diskutiert wurden. .„Ohne Mitarbeiter kein Handel. So einfach ist das." Stefan Genth sowie die HDE-Arbeitsmarkt- und Bildungsexperten Heribert Jöris und Wilfried Malcher scheuen die Auseinandersetzung mit den kritischen Stimmen im Arbeitsmarkt nicht. Denn der Einzelhandel ist einer der größten Arbeitgeber und Ausbilder Deutschlands. Und für die meisten Mitarbeiter gelten direkt oder indirekt die Tarifverträge.

Außerdem ist im Handel Karriere schneller und einfacher als in anderen Branchen und vor allem ohne Studium möglich, betonen sie. Aber es reiche nicht aus, sich auf diese Positionen zurückzuziehen. Problemfelder müssten analysiert und aufgearbeitet werden. „Das schlechte Image des Arbeitsgebers Einzelhandel hat weitreichende Folgen", mahnt Genth eindringlich. Und das wirke sich aus, vor allem, wenn es um neue Rahmenbedingungen oder bereits gesetzte Themen wie den gesetzlichen Mindestlohn gehe. „Der Handel muss sexy werden", fordert auch Rewe-Vorstand Alain Caparros. „Wenn unsere Arbeitsplätze nicht attraktiv sind, wird es uns nicht gelingen, attraktive Mitarbeiter zu gewinnen und zu halten."

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