Freitag, 18. Mai 2012
Bildquelle: Santiago Engelhardt
Standpunkt

Unzertrennlich

Schon im Mittelalter haben erfolgreiche Kaufleute das architektonische Bild ihrer Städte positiv bereichert, so dass viele Städte noch heute vom Leben und Wirken des Handels in der Vergangenheit profitieren.
Text: Stefan Genth, 07. Februar 2012
Aber auch mit dem Aufkommen moderner Vertriebsformen hat der Handel immer ein großes Augenmerk auf die Attraktivitätssteigerung seines Umfelds und insbesondere seines eigenen „Hauses“ gelegt. Entscheidet doch gerade auch die Aufenthaltsqualität eines attraktiven Mikrostandorts über den Wettbewerbsvorteil gegenüber weniger attraktiven Lagen.

Die Handelsarchitektur nimmt dabei selbstverständlich oft den Zeitgeist der Gesellschaft und somit ihrer Kunden auf. Somit ist das „Lesen“ der Handelsarchitektur auch immer mit dem Verstehen der Mode- und Wertvorstellungen ihrer Entstehungszeit verbunden. Besonders die Warenhäuser und Shoppingcenter setzten und setzen mit ihren Handelsimmobilien wichtige Akzente. Doch während in der Vergangenheit die Herausstellung der eigenen Marke zum Beispiel durch eine immer gleichförmige Fassadengestaltung einen hohen Stellenwert besaß, korrespondiert die moderne Handelsarchitektur immer stärker mit ihrem Umfeld. Ein anderer Trend geht in Richtung für sich selbst stehender, starker städtebaulicher Dominanten mit außergewöhnlicher und prägender Architektur. Hierbei kennt der Handel sowohl die Formensprache sehr transparenter Gebäude wie auch das Abbild historischer Fassaden, wie es in Braunschweig durch das Schloss (ECE) oder in Erfurt durch Zumnorde exemplarisc h umgesetzt wurde.

Gute Handelsarchitektur findet jedoch nicht nur bei großvolumigen Gebäuden statt. Viele Händler sanieren in hervorragender Art und Weise ihre oft denkmalgeschützten Gebäude und erhalten somit die Geschichte des Standortes. Hierbei gilt es, die heutigen Kundenwünsche mit den Auflagen der Denkmalpflege zu versöhnen. Handelsarchitektur ist aber auch die innere Gestaltung der Verkaufsräume. Fragen wie zur idealen Beleuchtung in Zeiten immer höherer Ansprüche an den Klimaschutz sowie die Reaktion auf den demografischen Wandel und das generationenfreundliche Einkaufen müssen durch gute architektonische Konzepte beantwortet werden.

Architektur und Handel bleiben auch in Zukunft enge Partner. Denn der Einzelhandel ist angewiesen auf ein attraktives Umfeld, das in den Städten zu einem großen Teil durch die (Handels-)Architektur bestimmt wird.

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