Die Wirtschaft braucht eine gesetzliche Frauenquote
pro
Manuela Schwesig, SPD
Stellv. Parteivorsitzende und Sozialministerin in Mecklenburg-Vorpommern
Studien zeigen: Unternehmen mit Frauen an der Spitze sind erfolgreicher. Gerade für den Handel ist das wichtig. Denn 70 Prozent der Kaufentscheidungen werden heute von Frauen getroffen. Es kann also nur ein Gewinn sein, wenn mehr Frauen in den Führungsetagen über die Produktpalette mitentscheiden. Die freiwillige Vereinbarung zwischen Bundesregierung und Wirtschaft in 2001 hat nichts verändert. Nur ein einziges DAX-Unternehmen, die Deutsche Telekom, hat seitdem eine Quote für das Unternehmen eingeführt. Wir können keine weiteren zehn Jahre warten, bis vielleicht ein weiteres nachzieht. Wir brauchen jetzt eine gesetzliche Frauenquote von mindestens 40 Prozent in den Vorständen und Aufsichtsräten der großen deutschen Unternehmen. Wenn wir nicht endlich aktiv werden, wird Brüssel uns ab 2013 dazu zwingen. Diese Blamage sollte Deutschland erspart bleiben. Umso schlimmer, dass Bundesfrauenministerin Schröder mit ihrem Dax-Treffen die Chance verstreichen ließ. Eine Einigung auf den kleinsten gemeinsamen Nenner hilft nicht weiter. Noch nie waren junge Frauen in Deutschland so gut qualifiziert wie heute. Aber sie werden weiter hingehalten und die deutschen Unternehmen schöpfen das Fachkräftepotenzial im Land nicht aus.
contra
Karin Genrich, HBB
Präsidentin des Handelsverbands Berlin-Brandenburg
Wollen wir mehr Frauen in Führungspositionen? Ja, natürlich. Brauchen wir dazu eine gesetzliche Frauenquote? Auf keinen Fall. Der Wettbewerb um die besten Mitarbeiter angesichts der demografischen Entwicklung sorgt langsam aber sicher für einen höheren Frauenanteil in den Führungspositionen der Handelsunternehmen. Im Einzelhandel führen viele Wege auf der Karriereleiter nach oben. Wir liegen daher beim Anteil der Frauen in Führungspositionen eine Nasenlänge vor der Gesamtwirtschaft. In der ersten Führungsebene, also Geschäftsführung, Eigentümer, Vorstand, Filialleitung, Betriebsleitung, beträgt der Frauenanteil im Einzelhandel rund 27 Prozent, in der gesamten Privatwirtschaft dagegen 25 Prozent. In der zweiten Führungsebene stellen Frauen sogar 40 Prozent, während es in der Privatwirtschaft nur 35 Prozent sind. Und von den 200 größten deutschen Unternehmen haben zwar nur 22 Unternehmen Frauen in ihren Vorständen. Aber allein sechs davon sind aus dem Handel.Die Politik ist gefordert. Sie muss endlich den flächendeckenden Ausbau der Kinderbetreuung konsequent in Angriff nehmen. Das ist das beste Mittel gegen den familienbedingten Karriereknick, denn die Frauen können sich den beruflichen Herausforderungen viel leichter stellen.










