Lebensmittel-Konzepte
Tante Emma 2.0
Discounter haben den Lebensmitteleinzelhandel heftig unter Druck gesetzt. Quereinsteiger zeigen, wie man die Lust der Kunden auf Neues wecken kann.
Text: Silke Bohrenfeld,
07. Februar 2012
Widme dich der Liebe und dem Kochen mit ganzem Herzen, sagte bereits der Dalai Lama. Wie es um die Liebe von Ramin Goo, Max Renneberg, Karl Dietrich, Dorothee Stöber und Benjamin Rendtorff bestellt ist, weiß ich nicht. Aber dass Kochen die Leidenschaft der fünf Freunde ist, konnte ich sehen: Im Kochhaus Berlin-Schöneberg haben sie Kochen und Verkaufen zu einem völlig neuen Konzept zusammengebracht. Die fünf Gründer selbst bezeichnen die Idee als begehbares Kochbuch, denn die Lebensmittel werden nach Rezepten appetitlich auf Tischen angeordnet. Ob Fusillinudeln mit Ricotta und frischem Babyspinat, Couscous-Salat mit würzigen Merguez-Würstchen oder diverse Fischgerichte: Für jeden Geschmack ist etwas dabei. Zutaten für insgesamt 18 Vor-, Haupt- und Nachspeisen können die Kochhauskunden in vorverpackten Mengen für zwei, vier oder sechs Personen erwerben. Basiszutaten wie Zucker, Mehl, Gewürze gibt es auch in großen Verpackungen, die Knoblauchzehe dagegen auch einzeln. Dazu empfehlen bekannte Sommeliers passende Weine. Kochlaien erhalten Unterstützung durch beiliegende Rezeptkarten, auf denen die Zubereitung Schritt für Schritt erklärt wird. Zwar sind die Lebensmittel, auf den Kilopreis hochgerechnet, etwas teurer als im Discounter um die Ecke. Außerdem entsteht durch die Verpackung von Kleinstmengen zusätzlicher Müll. „Jedoch verhindert der portionierte Verkauf der Zutaten das unnötige Wegwerfen von Lebensmitteln“, erklärt Mitgründerin Dorothee Stöbe. Nach dem Erfolg des ersten Kochhauses im Berliner Kiez Schöneberg haben die fünf eine weitere Filiale im Prenzlauer Berg und eine in Hamburg eröffnet.
Der Lebensmittelhandel ist ein schwieriges Geschäft. Trotzdem wollen mutige Existenzgründer mit innovativen Geschäftsideen der Branche neuen Schwung geben. Wie die beiden Quereinsteiger Benjamin Brüser, Architekt, und Sebastian Diehl, Betriebswirt: Sie sind überzeugt, dass es nach der Verdrängung kleinerer Lebensmittelgeschäfte durch große Discounter und andere Filialisten ein Umdenken und eine Rückbesinnung auf eine emotionalere und weniger anonyme Form des Einkaufens geben wird. Deshalb haben sie das Konzept Tante Emma völlig neu gedacht. Traditionelle Werte wie sie früher in Tante-Emma-Läden gepflegt wurden, werden bei Emmas Enkel mit der Technik des Internetzeitalters verknüpft. So ist das Ladengeschäft zwar nur 120 qm groß. Trotzdem besteht das Sortiment aus etwa 2.000 Artikeln. Wie das funktioniert? Indem im Laden selbst nur ein kleiner Teil des Sortiments ausgestellt wird, nämlich „die Produkte, die vom Kunden optisch und haptisch erlebt werden wollen, wie beispie lsweise frisch geschmierte Brötchen, Obst und Gemüse oder Müsli to go“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter Benjamin Brüser. Das Standardsortiment dagegen befindet sich hauptsächlich im Lager. Emmas Enkel bietet den Kunden verschiedene Möglichkeiten, ihre Lebensmittel einzukaufen. Den konventionellen Weg: Der Kunde kauft ganz normal im Laden oder gibt seinen Einkaufszettel an der Ladentheke ab und lässt sich seinen Korb packen, während er in der „Guten Stube“ sitzt, einer gemütlichen Sitzecke, wo ihm Kaffee, Kuchen, Brötchen und ein kostenloser WLAN-Anschluss zur Verfügung stehen. Aber er kann auch online bestellen: Entweder gibt er seine Bestellung direkt in der „Guten Stube“ an einer der iPad-Stationen ab, die dann umgehend bearbeitet wird. Oder er bestellt online vor, bezahlt per Paypal, EC- oder Kreditkarte und holt die Produkte zu einem gewünschten Zeitpunkt ab. Er kann sich die Ware aber auch nach Hause liefern lassen. „Unsere Kunden sollen bei ihrem Einkauf ein Maximum an Flexibilität, Komfort und Service genießen“, erklärt Sebastian Diehl die Geschäftsidee.
Große Pläne hat auch Jan Bredack, geschäftsführender Gesellschafter des Lebensmittelgeschäfts Veganz, „des einzigen Vollsortimenters europaweit, in dem ausschließlich vegane Produkte angeboten werden“, so Bredack. Von veganer Schokolade, 30 bis 40 verschiedenen Milchsorten, über Kosmetik, Haushaltsreiniger, Pizzen, Fleisch-, Wurst- und Käse-Ersatz gibt es alles, was das Veganer-Herz höher schlagen lässt. Aber Bredack geht noch einen Schritt weiter. Für Rohköstler gibt es auch Rohkostprodukte wie beispielsweise Rohkosteis, -kuchen und vieles mehr. „Als veganer Esser und Rohköstler habe ich selbst erlebt, welche Schwierigkeiten man hat, seinen Speiseplan zusammenzustellen“, sagt Bredak. Deshalb will er im Veganz zeigen, dass Veganer auf nichts verzichten müssen und ist in allen Segmenten sehr tief aufgestellt. Insgesamt 6.000 verschiedene Artikel sind im Angebot. Dabei war es anfangs gar nicht so einfach, die Regale zu füllen. Schließlich gibt es in Deutschland nicht viele Produzenten, die vegane Produkte herstellen. Deshalb haben die Kollegen um Bredack weltweit nach passenden Lieferanten gesucht. Mittlerweile gibt es im Veganz auch Produkte, die man sonst in Deutschland nicht kaufen kann. Die Überschneidung mit biomarkttypischen Sortimenten liegt bei lediglich 40 Prozent, 60 Prozent der Produkte gibt es exklusiv bei Veganz.
Konsequent biologisch und trotzdem modern: Das ist das Motto von Monika Reske und Michael Stammnitz, den beiden Gründern vom Vierjahreszeiten. In dem Biomarkt werden Lebensmittel neu präsentiert. Beispielsweise werden gekühlte Sortimente und Trockensortimente so zusammengefügt, dass keine meterlangen „Kältewände“ entstehen. In vielen Bereichen wird dem Kunden Selbstbedienung ermöglicht. Bei der Zusammensetzung der Sortimente legen Monika Reske und Michael Stammnitz neben der Bio-Qualität vor allem Wert auf „kompromisslose Frische, größtmögliche Regionalität und Transparenz bei der Herkunft.“ Außerdem wird ein großer Teil der Produkte in kleinen handwerklich geprägten Betrieben erzeugt. „Wir möchten eine vollständig neue Einkaufsatmosphäre schaffen, die zum Verweilen einlädt, überzeugt und einem breiten Publikum Lust und Freude am Entdecken von hochwertigen Lebensmitteln ermöglicht“, sagt Reske. Eine Einstellung, die sie mit allen Liebhabern der Branche teilt.
www.kochhaus.de
www.emmas-enkel.de
www.naturkost-vierjahreszeiten.de
www.veganz.de
Der Lebensmittelhandel ist ein schwieriges Geschäft. Trotzdem wollen mutige Existenzgründer mit innovativen Geschäftsideen der Branche neuen Schwung geben. Wie die beiden Quereinsteiger Benjamin Brüser, Architekt, und Sebastian Diehl, Betriebswirt: Sie sind überzeugt, dass es nach der Verdrängung kleinerer Lebensmittelgeschäfte durch große Discounter und andere Filialisten ein Umdenken und eine Rückbesinnung auf eine emotionalere und weniger anonyme Form des Einkaufens geben wird. Deshalb haben sie das Konzept Tante Emma völlig neu gedacht. Traditionelle Werte wie sie früher in Tante-Emma-Läden gepflegt wurden, werden bei Emmas Enkel mit der Technik des Internetzeitalters verknüpft. So ist das Ladengeschäft zwar nur 120 qm groß. Trotzdem besteht das Sortiment aus etwa 2.000 Artikeln. Wie das funktioniert? Indem im Laden selbst nur ein kleiner Teil des Sortiments ausgestellt wird, nämlich „die Produkte, die vom Kunden optisch und haptisch erlebt werden wollen, wie beispie lsweise frisch geschmierte Brötchen, Obst und Gemüse oder Müsli to go“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter Benjamin Brüser. Das Standardsortiment dagegen befindet sich hauptsächlich im Lager. Emmas Enkel bietet den Kunden verschiedene Möglichkeiten, ihre Lebensmittel einzukaufen. Den konventionellen Weg: Der Kunde kauft ganz normal im Laden oder gibt seinen Einkaufszettel an der Ladentheke ab und lässt sich seinen Korb packen, während er in der „Guten Stube“ sitzt, einer gemütlichen Sitzecke, wo ihm Kaffee, Kuchen, Brötchen und ein kostenloser WLAN-Anschluss zur Verfügung stehen. Aber er kann auch online bestellen: Entweder gibt er seine Bestellung direkt in der „Guten Stube“ an einer der iPad-Stationen ab, die dann umgehend bearbeitet wird. Oder er bestellt online vor, bezahlt per Paypal, EC- oder Kreditkarte und holt die Produkte zu einem gewünschten Zeitpunkt ab. Er kann sich die Ware aber auch nach Hause liefern lassen. „Unsere Kunden sollen bei ihrem Einkauf ein Maximum an Flexibilität, Komfort und Service genießen“, erklärt Sebastian Diehl die Geschäftsidee.
Große Pläne hat auch Jan Bredack, geschäftsführender Gesellschafter des Lebensmittelgeschäfts Veganz, „des einzigen Vollsortimenters europaweit, in dem ausschließlich vegane Produkte angeboten werden“, so Bredack. Von veganer Schokolade, 30 bis 40 verschiedenen Milchsorten, über Kosmetik, Haushaltsreiniger, Pizzen, Fleisch-, Wurst- und Käse-Ersatz gibt es alles, was das Veganer-Herz höher schlagen lässt. Aber Bredack geht noch einen Schritt weiter. Für Rohköstler gibt es auch Rohkostprodukte wie beispielsweise Rohkosteis, -kuchen und vieles mehr. „Als veganer Esser und Rohköstler habe ich selbst erlebt, welche Schwierigkeiten man hat, seinen Speiseplan zusammenzustellen“, sagt Bredak. Deshalb will er im Veganz zeigen, dass Veganer auf nichts verzichten müssen und ist in allen Segmenten sehr tief aufgestellt. Insgesamt 6.000 verschiedene Artikel sind im Angebot. Dabei war es anfangs gar nicht so einfach, die Regale zu füllen. Schließlich gibt es in Deutschland nicht viele Produzenten, die vegane Produkte herstellen. Deshalb haben die Kollegen um Bredack weltweit nach passenden Lieferanten gesucht. Mittlerweile gibt es im Veganz auch Produkte, die man sonst in Deutschland nicht kaufen kann. Die Überschneidung mit biomarkttypischen Sortimenten liegt bei lediglich 40 Prozent, 60 Prozent der Produkte gibt es exklusiv bei Veganz.
Konsequent biologisch und trotzdem modern: Das ist das Motto von Monika Reske und Michael Stammnitz, den beiden Gründern vom Vierjahreszeiten. In dem Biomarkt werden Lebensmittel neu präsentiert. Beispielsweise werden gekühlte Sortimente und Trockensortimente so zusammengefügt, dass keine meterlangen „Kältewände“ entstehen. In vielen Bereichen wird dem Kunden Selbstbedienung ermöglicht. Bei der Zusammensetzung der Sortimente legen Monika Reske und Michael Stammnitz neben der Bio-Qualität vor allem Wert auf „kompromisslose Frische, größtmögliche Regionalität und Transparenz bei der Herkunft.“ Außerdem wird ein großer Teil der Produkte in kleinen handwerklich geprägten Betrieben erzeugt. „Wir möchten eine vollständig neue Einkaufsatmosphäre schaffen, die zum Verweilen einlädt, überzeugt und einem breiten Publikum Lust und Freude am Entdecken von hochwertigen Lebensmitteln ermöglicht“, sagt Reske. Eine Einstellung, die sie mit allen Liebhabern der Branche teilt.
www.kochhaus.de
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www.naturkost-vierjahreszeiten.de
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