Freitag, 18. Mai 2012
Bildquelle: Spielwarenmesse
Spielwaren

Von 9 bis 99

Das Kinderzimmer ist das Spiegelbild der neuen Realität. Multimedia spielt hier eine immer größere Rolle.
Text: Silke Bohrenfeld, 06. Januar 2012
Beyblades, Filly, Zobbles: Was wie Vokabeln einer fremden Sprache klingt, sind Spiele, mit denen die Kids heute ihre Freizeit verbringen. Und genauso abstrakt wie die Namen sind die Spielregeln, mit denen Erwachsene nichts anfangen können. Doch gerade das scheint der Erfolgsfaktor zu sein: Die Kinder tauchen in ihre eigene Welt ab, zu der Erwachsene keinen Zugang (mehr) haben.

Zwar wird immer noch ein großer Teil des Umsatzes bei Spielwaren mit den traditionellen Spielen generiert, die Top-Renner jedoch haben nur noch wenig mit den Brettspielen oder Eisenbahnen der Vergangenheit zu tun. Der Umsatzanteil von Produkten, die weniger als zwei Jahre auf dem Markt sind, beträgt laut Eurotoys 50 Prozent. Klassiker, die zehn Jahre oder länger unverändert verkauft werden, erzielen weniger als 10 Prozent des Umsatzes der Branche. Ein Trend, der sich bis zu den Lern- und Sportspielzeugen durchzieht: Tip Toi, Nerf, Squap, Wave, Snakeboards oder Slacklines sind nur einige Beispiele.

Der Einsatz modernster Technik im Spielzeug hat sowohl Spaß und Lernerfolg als auch den Umsatz gesteigert. „Touchscreen und Touchpen sind im Kinderzimmer angekommen: Kinder lernen heute interaktiv — ob Farben und Zahlen, Tiere und Pflanzen oder das Zeichnen per Bildschirm“, sagt Willi Fischel, Geschäftsführer des Spielwaren-Einzelhandels, wie die Abverkäufe des Kinder-Tablet „Storio“, die sprechenden Tip-Toi-Bücher oder das „uDraw Game Tablet“ für die Nintendo Wii zeigen. Aber auch Action bleibt ein Dauerbrenner: So schafft Playmobil mit der Spielwelt „Future Planet“ eine innovative Weltraum-Szenerie für das Kinderzimmer. Schleich präsentiert mit seinen „Neuen Helden“ historisch inspirierte Actionfiguren. Action wird aber auch bei „Tonka XT Stunt Pro“ groß geschrieben. Das Fernsteuer-Fahrzeug merkt sich sogar die abgefahrenen Stunts per Memory-Funktion. Ein positiver Aspekt dieser Entwicklung ist, dass einige der technischen Innovationen auch wieder Erwachsene begeistern, wie z. B. RC Fahrzeuge und Baukästen und auf diese Art neue Umsätze generiert werden.

Das Multimedia-Faible der Käufer zeigt sich auch bei der Auswahl der Vertriebskanäle. Zwar bleiben laut Eurotoys mit knapp 38 Prozent Umsatzanteil die stationären Spielwarenfachgeschäfte und -märkte die wichtigsten Einkaufsstätten für Spielzeug. Aber das Internet ist mit 20 Prozent Marktanteil mittlerweile der zweitgrößte Marktplatz. Hier verkaufen nicht nur reine Internethändler ihre Produkte, sondern auch zunehmend Spielwarenhändler, die parallel noch stationäre Geschäfte oder Filialen betreiben. Viele Spielwarenhändler schärfen außerdem ihr Sortimentsprofil gegenüber dem Kunden: Spielwarenaffine Sortimente wie Geschenk-, Buch-, Schreib- und Schulartikel, aber auch Kindertextilien und Babyartikel runden zunehmend das Sortiment ab. „Der Kunde ist König. Deshalb bietet der Spielwaren-Einzelhandel alles an, was für seine Kunden auch noch interessant ist“, begründet Fischel diese Entwicklung. Insgesamt rechnet der Bundesverband des Spielwareneinzelhandels für das Gesamtjahr 2011 mit einem Spielwarenumsatz von fast 2,6 Mrd. Euro.

www.spielwarenmessse.de

Imaginarium



  • Spielen muss sein: Darin sind sich alle 2.000 befragten Eltern der Imaginarium-Studie einig. Der spanische Einzelhändler präsentierte Ende des Jahres eine Umfrage zu Spielwaren und Spielgewohnheiten der Kinder sowie zu den Kaufgewohnheiten der Eltern in Deutschland, Spanien, Italien, Mexiko, Portugal — und der chinesischen Metropole Hongkong.
  • Für die 350 befragten deutschen Eltern und Eltern aus Hongkong ist es am wichtigsten, dass Kinder beim Spielen ihrer Phantasie freien Lauf lassen und Kreativität entwickeln können. Für spanische, italienische und portugiesische Eltern dagegen ist der wichtigste Vorteil des Spielens, dass Kinder ihre psychomotorischen Fähigkeiten stärken. In Spanien (32 Prozent), Portugal (38 Prozent) und Italien (36 Prozent) werden gern Spielwaren wie Wissens- oder Konstruktionsspiele verschenkt, wogegen deutsche Eltern (22 Prozent) ihren Kindern vorrangig künstlerisch beeinflusste Spielzeuge wie Spielwaren zum Malen und Basteln oder Musikinstrumente überreichen. Es scheint, als ob die südlichen Länder die Kinder besonders für Ingenieurwesen und Architektur sensibilisieren wollen, während die Deutschen eher die natürlichen künstlerischen Fähigkeiten sowie die Kreativität ihrer Kinder fördern möchten.
  • Beim Spielen sind Kinder offensichtlich auch nicht gern allein. Die Studie stellt fest, dass 42 Prozent der deutschen Kinder am liebsten mit ihren Freunden spielen, 34 Prozent mit ihren Eltern, 18 Prozent am liebsten mit ihren Geschwistern und 4 Prozent der Kinder gerne auch alleine für sich sind.
  • Generell gehen Eltern meist auf die Wünsche ihrer Kinder ein. 52 Prozent der deutschen Eltern kaufen Spielwaren, weil die Kinder darum bitten. Nur 21 Prozent der Eltern handeln aus eigener Überzeugung und vertrauen auf Tipps und Empfehlungen von Experten wie Verkäufern oder Pädagogen. Nur 5 Prozent lassen sich von TV-Werbung zum Kauf animieren. Hingegen wünschen sich 43 Prozent der deutschen Kinder Spielwaren, die Freunde schon besitzen. Und 19 Prozent der Kinder wollen Produkte haben, die sie in der TV-Werbung gesehen haben.
  • Beim Spielzeugkauf sind für 79 Prozent der Eltern aus Spanien, Italien, Portugal und Deutschland die Sicherheit für die Kinder sowie die Qualität des Spielzeugs das Wichtigste. 59 Prozent der deutschen Eltern glauben, dass Multimedia-Spielwaren in jeder Hinsicht positiv sind; nur 11 Prozent denken, dass diese einen negativen Einfluss auf die natürliche Kreativität der Kinder haben. In Deutschland bestellen 18 Prozent der Eltern Spielzeug online; in Spanien sind es nur 0,33 Prozent (Italien: 2, China: 8). 51 Prozent aller Eltern informieren sich vor dem Kauf des Produkts im Internet.


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