Freitag, 18. Mai 2012
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Schlecker erfindet sich neu.(Bildquelle: Santiago Engelhardt f. Handelsjournal)
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Nachbarschaftshilfe: Schlecker setzt auf seine Mitarbeiter, die die Menschen vor Ort meist persönlich kennen. (Bildquelle: Santiago Engelhardt f. Handelsjournal)
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Schlecker im neuen Design. (Bildquelle: Santiago Engelhardt f. Handelsjournal
Drogerie

Alles neu macht der Mai

Schlecker erfindet sich neu: Das Schmuddelkind will sich zum Saubermann der Drogeriemarktbranche wandeln und setzt bei seinem Führungspersonal an.
Text: Silke Bohrenfeld, 17. Juni 2011
Etwa 54 km von Berlin entfernt, in Wünsdorf-Waldstadt: Hier, wo der Regionalexpress RE 7 endet, fängt die neue Schlecker-Welt der Hauptstadtregion an. Wer sich also von den neuen Absichten des Schmuddelkinds der Drogeriemarktbranche überzeugen will, muss einiges an Fahrtweg sowie -zeit auf sich nehmen und sich nach Brandenburg begeben. Dabei hat es der Drogeriemarktriese nicht nötig, sich mit seiner neuen Ästhetik zu verstecken. Und das will er auch gar nicht: Die Eröffnung der neuen Filiale in einer Gemeinde mit etwa 6.200 Einwohner ist Absicht. „Wir suchen die räumliche und emotionale Nähe zu unseren Kunden", erläutert Regionalleiterin Martina Fritsche.

Denn trotz aller Erneuerung: Am Nachbarschaftskonzept will Schlecker festhalten. Das ist der Wettbewerbsvorteil und ein wesentliches Unterscheidungskriterium gegenüber Rossmann und dm, die ausschließlich in 1-a-Lagen zu finden sind. Was aber für die Wettbewerber seit Jahren Alltag ist, ist für den Ehinger Drogeriemarktkönig eine Revolution: Hell, modern und frisch, aufgeräumt, mit freundlichen Farben, breiten Gängen, Piktogrammen zur besseren Orientierung und einem optimierten Sortimentsmix präsentiert sich die 340 qm große Filiale, die im Mai eröffnet wurde. Ein Ladenlayout, das nun peu à peu auf alle Filialen übertragen werden soll.

Doch schicke Geschäfte allein dürften nicht reichen. Um sein Schmuddelimage abzulegen, muss Schlecker vor allem seinen Ruf als Arbeitgeber ändern. Immer wieder stand das Unternehmen in den Schlagzeilen: wegen prekärer Arbeitsverhältnisse, Spionagevorwürfen, der Verhinderung von Betriebsräten, wegen des Skandals um die Leiharbeitsfirma Meniar, gehäufter Raubüberfällen aufgrund schlechter Sicherheitsbedingungen. Für seine Mitarbeiterführung wurde Schlecker zuletzt von den Konsumenten ordentlich abgestraft. Das scheint der Konzern nun begriffen zu haben. Ein Regelwerk mit neuen Leitlinien für die Führungscrew wurde in den letzten Monaten entwickelt und wird den leitenden Angestellten seit Ende Mai auf drei Großveranstaltungen vorgestellt.

Damit arbeiten die Ehinger an einem völlig neuen Führungsstil: Statt beispielsweise eines inflationären Abmahnsystems, das bei den Mitarbeitern Druck und Angst erzeugte, soll nun gelobt und motiviert werden. „Kontrollen dienen nie der Schikane, sondern sind eine Hilfestellung in der Zusammenarbeit von Führungskräften und Beschäftigten", ist eine der neuen Regeln. „Die Leitsätze sollen keine semantische Übung sein, sondern wollen Verhaltensanweisungen vorgeben, die den gemeinsamen Alltag aller Schleckermitarbeiter regeln sollen", beschreibt Alexander Güttler, Inhaber der PR-Agentur Kommpassion, der an der Ausarbeitung des neuen Regelwerkes beteiligt war. Alle Schlecker-Mitarbeiter werden explizit aufgefordert, sich stärker am Dialog zu beteiligen. Aber es geht auch darum, Führungsregeln, die bisher oft wegen mangelnder Kommunikation im Unternehmen als Mythen kursierten, endlich einmal schriftlich zu fixieren.

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