Donnerstag, 24. April 2014
Bildquelle: Geisler
Personal

Mangelwirtschaft

Die Vorzeichen drehen sich: Nicht Lehrstellen, sondern geeignete Bewerber werden langsam knapp.
Text: Handelsjournal, 17. Juni 2011
Wurde noch vor wenigen Jahren regierungsamtlich zur Ausbildungsinitiative geblasen, sind die Chancen der Jugendlichen auf einen Ausbildungsplatz zurzeit glänzend. Das zeigt zum Beispiel die DIHK-Ausbildungsumfrage 2011: Hier gibt knapp ein Viertel der befragten Betriebe an, dass die im Jahr 2010 angebotenen Ausbildungsplätze unbesetzt geblieben seien. Seit 2006 hat sich damit der Anteil der Unternehmen mit Besetzungsproblemen verdoppelt. Grob hochgerechnet heißt das: Ausgehend von rund 210.000 Ausbildungsbetrieben im Bereich der Industrie- und Handelskammern sowie etwa 26.000 neuen Ausbildungsbetrieben, die die IHKen 2010 erstmalig für eine Ausbildung gewonnen haben, sind 2010 rund 55.000 Ausbildungsstellen in Industrie, Dienstleistung und Handel unbesetzt geblieben.

Ein wesentlicher Grund für die Besetzungsprobleme ist der demografie-bedingte Bewerberrückgang. Von 2005 bis 2010 sank die Zahl der Schulabgänger bundesweit um rund 10 Prozent von 940.000 auf 850.000. Besonders drastisch sind die Schulabgängerzahlen in den neuen Bundesländern zurückgegangen: Dort sanken sie von 208.000 auf 116.000 — dies ist ein Rückgang von 44 Prozent innerhalb von nur fünf Jahren. Ein dramatischer Wandel, von der das ostdeutsche Konsumgenossenschaft Leipzig ein Klagelied singen kann. Waren es 2009 noch 234 Bewerber, ist deren Zahl 2010 um 10 Prozent gesunken, Tendenz weiter fallend. „2011 sind es mittlerweile 40 Prozent weniger junge Menschen, die sich bei uns beworben haben", bedauert Petra Schumann, Vorstandssprecherin der Konsumgenossenschaft Leipzig.

Diese gravierende Entwicklung erfordert ungewöhnliche Maßnahmen. „Früher sind die Bewerbungen von allein bei uns eingegangen. Heute dagegen müssen wir uns ziemlich engagieren, um junge Menschen von uns zu überzeugen. Wir versuchen, diese Situation durch bessere Information und Werbung in der Öffentlichkeit zu kompensieren", sagt Petra Schumann und hat starke Argumente für eine Ausbildung bei der Konsumgenossenschaft: Zum Beispiel ein faires Lehrlingsgehalt und vor allem die Übernahme in ein festes Arbeitsverhältnis bei erfolgreichem Abschluss. Aber die Genossen tun noch mehr. So haben sie beispielsweise an der „Woche der offenen Unternehmen" teilgenommen. Eine Veranstaltung, bei der sich an einem Tag interessierte Schüler in der Zentrale zuerst einen Überblick über die Einzelhandelskette verschaffen und am Nachmittag in einer Filiale erleben können, wie die Praxis eines Verkäufers aussieht.

 „Aufgrund dieser Veranstaltung konnten wir zwei Schüler überzeugen, im kommenden Ausbildungsjahr die Lehre bei uns zu beginnen", sagt Brigitte Diener, Leiterin Personalwesen. Erfolgreich war Konsum Leipzig ebenfalls mit der Teilnahme an der IHK-Lehrstellenbörse im September 2010, auf der zwei Auszubildende akquiriert wurden. Außerdem lädt das Unternehmen zum „Tag des Azubis" in seine Supermärkte ein. Dort berichten dann bereits tätige Auszubildende, wie die Lehre funktioniert oder welche Aufstiegs- und Weiterbildungsmöglichkeiten es gibt. Um darauf aufmerksam zu machen, werden in den nahe gelegenen Schulen Broschüren an die Schwarzen Bretter geheftet, um auf die Veranstaltung aufmerksam zu machen. Auch von einer Anzeige im „Futurplan 2011/2012", einem speziellen Hausaufgabenheft, verspricht sich das Unternehmen einiges.

Facebook MySpace Twitter Google Bookmarks 




Kommentar hinzufügen

Ihr Name:
Ihre E-Mail-Adresse:
Betreff:
Kommentar: