Freitag, 18. Mai 2012
 
CSR-Bilanz

Was kostet ein Turnschuh?

Die weltweit erste Gewinn- und Verlustrechnung aller klimarelevanten Prozesse hat der Sportartikler Puma vorgelegt.
Text: Nicole Ritter, 07. Februar 2012
Ein Nachhaltigkeitsbericht ist gut, eine Gewinn- und Verlustrechnung ist besser: Das mögen sich die Verantwortlichen des Sportartikelherstellers Puma gedacht haben, als sie sich entschlossen, die Auswirkungen ihrer Produktion auf die Umwelt in Heller und Pfennig ausrechnen zu lassen. Ergebnis: Landnutzung, Luftverschmutzung und Abfall entlang der Wertschöpfungskette erzeugen Kosten in Höhe von 51 Mio. Euro, mit 94 Mio. Euro schlagen Treibhausgas-Emissionen und der Wasserverbrauch zu Buche. Analysiert wurden dafür sämtliche Prozesse von der Beschaffung der Rohstoffe bis hin zum Betrieb von Büros und Shops, zur Logistik und zu Dienstreisen; auch die potenziellen Kosten des Klimawandels wurden berücksichtigt.

Aufgestellt haben die Modellrechnung Experten vom Beratungsunternehmen PricewaterhouseCoopers. PwC-Partner Alan McGill glaubt, dass die Daten nicht nur in Hinblick auf die Umweltauswirkungen, sondern auch bezüglich der Unternehmensrisiken, Einsparmöglichkeiten und Effizienzpotenziale hohe Relevanz haben. „Diese Auswirkungen müssen gemessen werden, um sie kontrollieren beziehungsweise reduzieren zu können.“ Im Unternehmen geht es dabei nicht nur darum, Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit zu sein. Die umfassende Aufstellung des Ressourcenverbrauchs macht dem Management auch deutlich, wo Puma abhängig ist von knappen Ressourcen. Sie dient damit einer sorgfältigeren, risiko- und umweltbewussteren Unternehmenssteuerung. Ein Beispiel aus der Baumwollproduktion: Baumwollfarmer in trockenen Regionen zahlen gegenwärtig für die Bewässerung ihrer Felder kaum mehr als Farmer in wasserreichen Regionen — die Wasserknappheit ist im tatsächlichen Wasserpreis nicht be rücksichtigt. Das ist nicht nur ökologisch zweifelhaft, sondern auch ein Risiko für Puma: Wenn das Wassermanagement in trockenen Regionen versagt, gerät hier die Baumwollernte schneller in Gefahr als anderswo.

Richtig und mutig nennt Greenpeace-Aktivist Jürgen Knirsch die Aktivitäten von Puma. Auch Puma-Mutterkonzern PPR will künftig für seine Luxus- und Sport-Lifestylemarken ermitteln, wie hoch der durch die Produkte entstandene Umweltschaden ist — und wird dann hoffentlich entsprechende Konsequenzen ziehen. Puma unterzeichnete als erstes deutsches Unternehmen die Greenpeace-Verpflichtung, bis 2020 auf giftige Chemikalien in der Produktion komplett zu verzichten.

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