Bildquelle: Fressnapf
handelsjournal & DFV
Rechenexempel
Obwohl die Franchise-Wirtschaft großes Wachstumspotenzial hat, erweist sich die Finanzierung oft als Hemmschuh. Banken wollen für effiziente Kreditvergabe sorgen.
Text: Silke Bohrenfeld,
16. August 2010
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Aus Sicht der Banken war Andrea Weigold für ihr Vorhaben prädestiniert: Die Tankstellenpächterin, die im Raum Ravensburg mit drei Tankstellen über viele Jahre erfolgreich war, wollte die Branche wechseln und als Franchise-Nehmerin bei Fressnapf einsteigen – und sie brauchte Geld. Neue Fressnapf-Partner müssen mit einer Investitionssumme für Waren und Ladenausstattung von etwa 200.000 Euro rechnen, und sie sollten über Eigenkapital in Höhe von 40.000 Euro verfügen. Die Eintrittsgebühr beträgt 5.000 Euro, was insgesamt einen Kapitalbedarf von knapp 250.000 Euro ergibt. „Eine Summe, für die meine Hausbank nicht das volle Risiko übernehmen konnte", berichtet Weigold von ihren ersten Schritten in die Franchise-Branche. Erfahrungen, die viele Franchise-Nehmer mit ihr teilen: Die Finanzierung ist die Achillesferse der Franchise-Branche. Verschärfend kommt hinzu, dass gerade in Finanz- und Wirtschaftskrisen die Kapitalausstattung vieler kleiner und mittelständischer Unternehmen oft unzureichend ist. Folglich fallen zusätzliche Sicherheiten an, die Kreditgewährung ist restriktiver geworden. Um diese Situation ein Stück weit zu entspannen, hat der Deutsche Franchise-Verband (DFV) eine Kooperation mit dem Verband der Deutschen Bürgschaftsbanken (VDB) besiegelt, die den weiteren Ausbau der Franchise-Wirtschaft und insbesondere deren Finanzierung sichern und voran bringen soll. Bürgschaftsbanken haben den Auftrag, vor allem Projekte kleiner und mittlerer Unternehmen bei fehlenden oder unzureichenden Sicherheiten zu unterstützen.
Der Verband der Bürgschaftsbanken prüft dabei als zweite Instanz nach den Hausbanken das Kreditausfallrisiko und übernimmt in der Regel davon 70 bis 80 Prozent. Dafür muss der Franchise-Nehmer eine einmalige Bearbeitungsgebühr von 1 Prozent der genehmigten Bürgschaft zahlen sowie eine jährliche Bankprovision von 0,8 Prozent vom jeweils noch ausstehenden Kreditbetrag. Um das Risiko von Haus- und Bürgschaftsbank zu minimieren, müssen unter anderem die Erfolgsaussichten der Existenzgründung geprüft und Risiko-Nutzen-Analysen durchgeführt werden. Die dazu nötigen Informationen mussten vor der Kooperation von DFV und VDB mühselig und langwierig von den Beratern der Haus- und Bürgschaftsbanken beschafft werden. Ein Unterfangen, das auch heute dadurch erschwert wird, dass jedes Jahr Existenzgründer mit neuen Franchise-Systemen auf den Markt kommen, die finanziert werden wollen.
„Und nicht alle sind koscher", verrät Gudrun Bergdolt von der Bürgschaftsbank Baden-Württemberg. Hier hilft der DFV. Er steht durch regelmäßige Checks und Evaluierungen für den Qualitätsstandard der Systeme seiner Mitglieder ein. Außerdem sieht die Kooperation die gegenseitige Information über die Entwicklung der Franchise-Konzepte vor. „Wir bekommen per Telefonat auch schon mal Informationen sozusagen unter der Hand", beschreibt Bergdolt die Zusammenarbeit mit dem Verband. Aber auch Vergleichszahlen wie Kosten, Umsatz, Erträge, die die Franchise-Zentrale und damit der Systemgeber vorgeben, können durch die Kooperation über ein Telefonat abgefragt werden und sind damit schneller zugänglich als vorher. Im Durchschnitt dauert die Entscheidung über eine Finanzierung etwa zehn bis vierzehn Tage.
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