07.09.2009 - Mehr Klau an Geldautomaten

handelsjournal (nori). Die europäische Agentur für Netz- und Informationssicherheit Enisa warnt vor zunehmender Geldautomaten-Kriminalität. Grundlage ist eine internationale Studie.

Die Kosten, die in Europa jährlich durch Geldautomatenkriminalität verursacht werden, haben laut Enisa die 500-Mio.-Euro Grenze fast erreicht. Die schnelle Zunahme der Anzahl an Geldautomaten sowie immer ausgeklügeltere Methoden und Betrugsversuche hätten im Jahr 2008 zu einem alarmierenden Anstieg der Kriminalitätsrate geführt. Die Anzahl der Geldautomaten in Europa ist im letzten Jahr um 6 Prozent auf fast 400.000 gestiegen. Davon stehen viele in abgelegenen Standorten, so z. B. in kleinen Lebensmittelmärkten, an Flughäfen und an Tankstellen. 72 Prozent der europäischen Geldautomaten befinden sich in nur 5 Ländern: Großbritannien, Spanien, Deutschland, Frankreich und Italien. Illegales Geldabheben an Geldautomaten ist immer noch die bevorzugte Methode für Kriminelle, die sich PIN-Nummern mithilfe verschiedener Techniken, wie beispielsweise "Über-die-Schulter-Sehen" oder komplexe Skimming-Techniken, beschaffen. Dies kann mittels einer kleinen Überwachungskamera geschehen, einem falschen PIN-Overlay oder mithilfe falscher Bankautomaten. Mehr und mehr wird auch die Blue-Tooth-Wireless-Technologie angewandt, um Karten- und PIN-Nummern-Details zu einem Laptop in der Nähe zu übermitteln. Allein im Jahr 2008 gab es insgesamt 10.302 nachgewiesene Skimming-Vorfälle in Europa. Zu den anderen Methoden, die angewandt werden, um Geld zu stehlen, gehören das Einziehen der Karte, die daraufhin stecken bleibt, um später vom Betrüger herausgeholt zu werden; das Anhalten des Abhebens in der Mitte der Transaktion, die dann zu Ende geführt wird, wenn das Opfer gegangen ist; und selbst das Festhalten von Geld im Automaten gehört zu den gängigen Methoden. Organisierte kriminelle Gruppen benutzen auch ausgeklügelte Phishing-Techniken und hacken sich in das Bankcomputersystem und in Websites ein, um PIN- und Kontoinformationen zu erhalten. Die Anzahl der Geldautomaten-Diebstähle und der körperlichen Übergriffe sind innerhalb der letzten 12 Monate ebenfalls um 32 Prozent gestiegen. Dabei wurden Raubüberfälle durch das Rammen mit einem Fahrzeug, mittels Explosionen, mithilfe von Kreissägen, Sauerstofflanzen oder Diamantbohrern durchgeführt. "Geldautomaten sind für Kriminelle besonders interessant, da sie Banknoten enthalten; und die Bankkarten geben den Dieben Zugang zum Bankkonto des Kunden", erklärt Andrea Pirotti, geschäftsführender Direktor der Enisa. "Es ist zu erwarten, dass Geldautomaten in der Zukunft sogar noch attraktiver werden, da die neueste Generation der Geldautomaten so konstruiert ist, dass sie auch andere Dienstleistungen und Produkte, wie das Aufladen von Mobiltelefonen und den Verkauf von Briefmarken, anbieten. Gegen Geldautomatenkriminalität kann in erster Linie mit einem erhöhten Bewusstsein für Risiken vorgegangen werden. Wenn dieses vorhanden ist, können Kunden einfache Vorsichtsmassnahmen treffen, indem sie ihre PIN bei der Eingabe abdecken oder wachsam sind, um eventuell manipulierte Geldautomaten oder ungewöhnlichen Aktivitäten wahrzunehmen." Der diese Woche durch die Enisa veröffentlichte Bericht empfiehlt, dass weiterführende Informationen und Hinweise auf nationaler Ebene von den EU-Mitgliedsstaaten über die Banken, Finanzinstitutionen, Zahlungssysteme und über Exekutivorgane verbreitet werden. Als Teil dieses Prozesses hat die Enisa eine Liste mit goldenen Regeln für maximalen Schutz mit minimalem Aufwand erstellt.
www.enisa.europe.eu

 



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